Lehrervertreterin aus Island: „Wohlbefinden der Schülerinnen und Schüler steht an erster Stelle“

Freitag, 10.7.2026

Im Juni nach Schulschluss empfing die Deutsche Bildungsdirektion eine Delegation aus Island. 28 Personen, die meisten von ihnen Lehrkräfte, aus einer Gesamtschule in Island informierten sich über das Südtiroler Bildungssystem.

INFO hat im Anschluss an der Vorstellung der Südtiroler Bildungswelt durch Schulinspektorin Sarah Viola und Schulinspektor Christian Walcher mit der Leiterin der Delegation ein Gespräch geführt und einen Einblick in Islands Bildungssystem gewonnen.
Nach einer allgemeinen Einführung präsentierte Schulinspektorin Sarah Viola das Schulsystems Südtirol im Detail. Beginnend bei den Eckdaten zu Südtirol wie Sprachgruppen, die verschiedenen Schulstufen und die Lehrerausbildung sowie den Schulkalender wurde der Delegation aus Island die Schulautonomie Südtirol vorgestellt. Diesen Ausführungen folgte ein Bericht über den inklusiven Unterricht an Südtirols Bildungseinrichtungen.

Der Vortrag über Südtirols Bildungssystem stoß bei der Delegation auf großes Interesse. Die 28 Lehrpersonen kommen aus einer Gesamtschule in der Nähe von Reykjavík, ein Ort mit 40.000 Einwohnern. Die Schülerinnen und Schüler der Gesamtschule sind im Alter von 6 bis 16 Jahren. Alle zwei Jahre bilden sich die Lehrpersonen im Ausland fort. Mehrmals bereits war die Delegation aus Island dazu in Österreich, um das Schulsystem vor Ort kennenzulernen. So auch heuer, bevor es, zum ersten Mal, für die Delegation nach Südtirol ging.

Klara Hallgrinsdóttir hat den Besuch der Delegation aus Island organisiert. INFO digital hat die Gelegenheit genutzt und mit ihr über die Schule in Island gesprochen.

Klara Hallgrinsdóttir erzählt aus dem Schulalltag in Island.

Gemeinsam mit Südtirol haben die Schülerinnen und Schüler in Island den Schulschluss. Auch dort endet das Schuljahr mit Mitte Juni. Der Beginn des Schuljahres ist allerdings ein wenig früher, nämlich für Ende August angesetzt. Von der Einwohnerzahl her ist Island mit Südtirol vergleichbar. Rund 390.000 Einwohner leben in dem Inselstaat und auch dort werden mehrere Sprachen gesprochen und auch unterrichtet. In Island ist die Hauptunterrichtssprache in der Grundschule Isländisch. Englisch wird ab der 1. Klasse unterrichtet, in der 5. Klasse kommt Dänisch dazu.

Vieles sei, so Klara Hallgrinsdóttir, ähnlich wie in Südtirol. Auch die Schule in Island steht vor der Herausforderung den Migrantinnen und Migranten, die zuhause meist noch ihre eigene Muttersprache sprechen, geeignete Hilfestellungen beim Erlernen der Sprachen zu bieten. Einen Unterschied gibt es allerdings in Sachen Prüfungen. Die Lernziele werden individuell auf die Schülerinnen und Schüler abgestimmt und festgelegt. Es gibt keine Prüfungen wie bei uns und Sitzenbleiben ist auch nicht möglich.

An oberster Stelle steht das Wohlbefinden der einzelnen Schülerinnen und Schüler. „Das ist das Wichtigste in Islands Schulen“, erklärt Klara Hallgrinsdóttir. „Es gibt kaum Hausaufgaben. Das wäre eine Diskriminierung denen gegenüber, deren Eltern nicht in der Lage sind den Kindern bei den Hausaufgaben unterstützend zur Seite zu stehen“.

In Island wird der Unterricht zwischen 8.00 Uhr und 14.30 Uhr abgehalten. Die Schule ist jedoch bis 16.00 Uhr geöffnet. Auch die Anwesenheitspflicht der Lehrpersonen geht bis 16.00 Uhr, und zwar an fünf Tagen die Woche. In dieser Zeit sind die Lehrpersonen für die Schülerinnen und Schüler da und betreuen die noch anwesenden Kinder, die von den Eltern nicht eher abgeholt werden können, unterstützen und begleiten sie.
In Island hat jeder unabhängig von Geschlecht, Wohnort, Behinderung, finanzieller Situation, Religion, kulturellem oder wirtschaftlichem Hintergrund den gleichen Zugang zu Bildung. Die familiäre Atmosphäre allgemein unter den Isländern und auch in den Bildungseinrichtungen sorgt dafür, dass sich die Schulkinder wohlfühlen. Und das Wohlbefinden steht bei den Isländern an erster Stelle, die übrigens als die glücklichsten Menschen der Welt gelten

INFO Redaktion

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