„Wir wollten Menschen eine Stimme geben, die sonst selten gehört werden“

Dienstag, 26.5.2026

Mit ihrer Reportage „Wann hört Heimat auf?“ gewannen Annalena Gufler und Fabian Pircher von der LBS Gutenberg den Gabriel-Grüner-Schülerpreis 2026. Im INFO-Interview sprechen sie über die Workshops, die Arbeit an ihrer Geschichte und darüber, was ihnen von der Begegnung mit dem ältesten Bauern von Moos in Passeier geblieben ist.

Am 22. Mai wurde in Mals der Gabriel-Grüner-Schülerpreis 2026 verliehen. Ausgezeichnet wurden dabei auch Annalena Gufler und Fabian Pircher (im Bild oben mit Martin Holzner, Direktor der Pädagogischen Abteilung in der Deutschen Bildungsdirektion) von der Landesberufsschule Gutenberg in Bozen. Mit ihrer Reportage „Wann hört Heimat auf?“ überzeugten die beiden die Jury. Der Preis wird von Zeitenspiegel Reportagen gemeinsam mit der Pädagogischen Abteilung der Deutschen Bildungsdirektion, dem Bildungsausschuss Mals und dem Südtiroler Wochenmagazin „ff“ verliehen und würdigt damit herausragende journalistische Arbeiten junger Talente. Eine Fachjury aus renommierten Medienvertreterinnen und -vertretern wählte die Gewinner aus insgesamt neun eingereichten Arbeiten aus.

Als Preisträger absolvieren Annalena und Fabian Praktika bei „ff – Das Südtiroler Wochenmagazin“ in Bozen sowie beim deutschen Nachrichtenmagazin „Stern“ in Hamburg. 

INFO: Wie habt ihr vom Gabriel-Grüner-Schülerpreis erfahren – und warum wolltet ihr mitmachen?

Annalena Gufler und Fabian Pircher: Unsere Deutschlehrerin hat uns zu Beginn des Schuljahres auf den Gabriel-Grüner-Schülerpreis aufmerksam gemacht. Außerdem hatten wir die Möglichkeit, mit Schülerinnen und Schülern der fünften Klassen zu sprechen, die im vergangenen Jahr bereits teilgenommen hatten. Das hat unser Interesse noch mehr geweckt. Wir wollten beim Wettbewerb mitmachen, um einen Einblick in die journalistische Welt zu bekommen und herauszufinden, wie wir unsere Leidenschaft für Fotografie – ein Fach, das wir an der Gutenbergschule lernen – mit Text verbinden können.

Was hat euch an der Idee gereizt, journalistisch an einem eigenen Projekt zu arbeiten?

Uns hat vor allem die kreative Freiheit gereizt. Wir konnten über ein Thema recherchieren, das uns selbst interessiert, berührt und auch betrifft. Bei der Themenwahl wurden uns keine Grenzen gesetzt, wodurch wir uns frei entfalten konnten. Außerdem hat uns der Wettbewerb ermöglicht, offener und sicherer auf neue Menschen zuzugehen. Durch den journalistischen Hintergrund fiel es deutlich leichter, Gespräche zu führen und Fragen zu stellen, die man sich privat vielleicht nie trauen würde.

Besonders wertvoll war für uns das persönliche Feedback, das wir während der Workshops erhalten haben.

Wie liefen die Workshops ab?

Die Workshops waren ein spannender Mix aus theoretischen und praktischen Teilen. Wir bekamen Inputs zum Schreiben, Fotografieren und journalistischen Arbeiten, aber auch praktische Aufgaben, zum Beispiel Menschen draußen zu interviewen oder zu fotografieren. Ein großer Teil bestand außerdem darin, gemeinsam an unseren Reportagen zu arbeiten. Besonders wertvoll war für uns das persönliche Feedback, das wir während der Workshops erhalten haben.

Warum habt ihr euch für das Thema „Wann hört Heimat auf?“ entschieden?

Uns war wichtig, Menschen eine Stimme zu geben, die sonst selten gehört werden. Oft spricht man darüber, wie sich Landwirtschaft oder gesellschaftliche Strukturen verändern, aber nur selten über die Menschen dahinter. Mit unserer Reportage wollten wir zeigen, dass hinter jedem Hof und hinter jeder Veränderung persönliche Geschichten und Erinnerungen stehen.

Wie seid ihr auf die Geschichte rund um den ältesten Bauern von Moos in Passeier gekommen?

Ursprünglich haben wir nach abgelegenen Höfen gesucht, die möglicherweise irgendwann aufgegeben werden. Dabei hat uns jemand von Klaus und seiner Geschichte erzählt. Schon nach kurzer Zeit war für uns klar, dass wir mit ihm sprechen und seine Geschichte erzählen möchten.

Was war euch bei der Recherche besonders wichtig?

Wir wollten zeigen, dass hinter jedem Hof eine Lebensgeschichte steckt. Wenn Höfe verschwinden, verschwinden nicht nur Gebäude oder Betriebe, es geht auch um Erinnerung, Tradition und Identität. Außerdem wollten wir zeigen, wie wenig man manchmal braucht, um glücklich zu sein, und wie wichtig es ist, die Dinge wertzuschätzen, die man hat.

Wie habt ihr die Gespräche vor Ort erlebt?

Klaus hat uns unglaublich herzlich aufgenommen und uns mit seiner Gelassenheit sehr beeindruckt. Bei jeder Begegnung hat man gespürt, wie tief er mit dem Hof verwurzelt ist und wie viel Erfahrung und Lebensweisheit er in sich trägt.

Besonders berührend waren die Momente, in denen sich Klaus geöffnet und von seiner Vergangenheit erzählt hat.

Gab es Momente während der Arbeit, die euch emotional besonders berührt oder nachdenklich gemacht haben?

Besonders berührend waren die Momente, in denen sich Klaus geöffnet und von seiner Vergangenheit erzählt hat. Zum Beispiel von seiner Kindheit, seiner Schulzeit oder davon, dass er manchmal gestottert hat und sich deshalb von einer Lehrerin nicht verstanden fühlte. Auch die Geschichten über Menschen, die ihn geprägt haben, sind uns sehr nahegegangen – vor allem, wenn man gemerkt hat, wie lebendig diese Erinnerungen für ihn bis heute noch sind.

Was war bei der Umsetzung der Reportage die größte Herausforderung?

Eine der größten Herausforderungen war es, die vielen Informationen, Gespräche und Eindrücke zu sortieren und daraus eine stimmige Reportage zu machen. Es war uns wichtig, der Geschichte gerecht zu werden und die richtigen Momente auszuwählen, ohne dabei die Persönlichkeit von Klaus oder die Atmosphäre des Hofes zu verlieren.

Was bedeutet euch der Gewinn des Gabriel-Grüner-Schülerpreises persönlich?

Unglaublich viel. Für uns ist er eine große Chance. Wir freuen uns besonders darauf, neue Erfahrungen in Hamburg zu sammeln, Menschen aus der Medienwelt kennenzulernen und weitere Einblicke in den Journalismus zu bekommen.

Was nehmt ihr aus dieser Erfahrung für euch selbst und vielleicht auch für euren weiteren Weg mit?

Vor allem nehmen wir großen Respekt vor einem Leben mit, das von harter Arbeit geprägt ist und trotzdem voller Dankbarkeit sein kann. Wir haben gelernt, wie wichtig es ist, solche Geschichten festzuhalten. Die Erfahrung hat uns auch persönlich weitergebracht und uns gezeigt, wie viel man durch Begegnungen mit anderen Menschen lernen kann. Wir schätzen heute viele Dinge bewusster als zuvor.

Gibt es noch etwas, das noch nicht gesagt wurde oder euch wichtig ist?

Wenn jemand darüber nachdenkt, an den Workshops teilzunehmen, können wir wirklich nur dazu raten. Die Workshops sind eine große Chance, sich persönlich und fachlich weiterzuentwickeln.

INFO Redaktion

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