Interview mit CLAUS-Gewinnerin Maria Erhard

„Ladinisch ist für mich Identität und Heimat“

Freitag, 12.6.2026

Mit einem Videofeature über die ladinische Sprache hat Maria Erhard den diesjährigen Schülerinnen- und Schülerpreis CLAUS gewonnen. Die Schülerin des Kunstgymnasiums Bruneck setzte sich in ihrem Beitrag mit der Bedeutung der ladinischen Sprache für Identität, Alltag und Zusammenleben auseinander.

Der Schülerinnen- und Schülerpreis CLAUS für journalistisches Arbeiten wurde 2026 bereits zum achten Mal vergeben. Er ist ein Gemeinschaftsprojekt der Arbeitsgruppe Begabungsförderung im Schulverbund Pustertal, der Pädagogischen Abteilung der Deutschen Bildungsdirektion, der Gemeinde Sexten und des ORF Wien im Gedenken an den aus Sexten stammenden Journalisten Claus Gatterer (1924–1984). Im Rahmen mehrerer Workshops entwickelten die teilnehmenden Schülerinnen und Schüler eigene journalistische Beiträge – von der ersten Idee bis zum fertigen Produkt. Unterstützt wurden sie dabei von der Journalistin Mareike Sölch und dem Medientechniker Jiri Gasperi.

Mit einem Videofeature über die ladinische Sprache hat die Schülerin Maria Erhard den diesjährigen Preis gewonnen. Dafür interviewte sie zahlreiche Menschen aus ihrem Heimatdorf Enneberg – darunter auch Personen, die Ladinisch erst später im Leben gelernt haben. Im Interview mit INFO erzählt Maria Erhard über ihre Motivation, emotionale Begegnungen während der Recherche und darüber, warum Minderheitensprachen auch in Zukunft bewusst gelebt werden müssen.

Warum hast du am Schülerinnen- und Schülerpreis CLAUS teilgenommen?
Als ich die Möglichkeit bekam, habe ich mich relativ schnell angemeldet. Ich wollte sehen, wie Journalismus funktioniert, wie ein Beitrag entsteht, wie recherchiert wird und ob das vielleicht auch beruflich einmal etwas für mich sein könnte.

Du hast den Schülerinnen- und Schülerpreis mit einem Videofeature über die ladinische Sprache gewonnen. Warum war dir gerade dieses Thema persönlich wichtig?
Weil Ladinisch meine Muttersprache ist und ich derenVielfalt aufzeigen wollte. Manchmal habe ich das Gefühl, dass die Sprachgruppen Südtirols eher unter sich bleiben. Deshalb wollte ich auch einen deutschsprachigen Beitrag zur ladinischen Sprache machen, damit das Thema nicht immer nur einseitig wahrgenommen wird.

Maria Erhard

Du kommst selbst aus Enneberg und hast Menschen aus deinem Heimatdorf in deinen Beitrag eingebaut. Wie haben die Menschen dort auf deine Idee reagiert?
Ganz unterschiedlich. Aber alle waren sehr freundlich und haben mir gerne ein Interview gegeben. Bei manchen war am Anfang vielleicht etwas Skepsis da, aber viele haben sich auch gefreut und waren stolz, dass nach ihrer Geschichte oder ihren Erfahrungen gefragt wurde. Und ich habe mich ebenfalls gefreut, so viele verschiedene Menschen interviewen zu dürfen.

Was bedeutet dir die ladinische Sprache persönlich – im Alltag, aber auch als Teil deiner Identität?
Für mich bedeutet Ladinisch Identität und in gewisser Weise auch Heimat. Wenn ich irgendwo bin, wo hauptsächlich Deutsch oder Italienisch gesprochen wird, freue ich mich immer, wenn ich meine Muttersprache höre oder selbst Ladinisch sprechen darf. Das schafft sofort ein Gefühl von Vertrautheit.

In deinem Beitrag sagt der Künstler Franz Kehrer, dass die ladinische Minderheit lange kaum wahrgenommen wurde. Hat dich diese Aussage überrascht?
Schwierig zu sagen. Ein bisschen überrascht hat es mich schon, gleichzeitig habe ich es aber auch erwartet. Vielleicht wird die ladinische Minderheit außerhalb Südtirols – etwa in Österreich – nicht so stark wahrgenommen. Aber auch innerhalb Südtirols hatte die Sprache früher weniger Sichtbarkeit als heute, auch wurde sie zum Teil nur als minderwertiger Dialekt angesehen.

Gab es während der Arbeit am Beitrag einen Moment oder eine Aussage, die dich besonders berührt oder überrascht hat?
Sehr fasziniert haben mich die Interviews mit Menschen, die Ladinisch erst später im Leben gelernt haben – Moses Agreiter, Omar Hammad und Sara Mičkec. Sie alle haben sehr unterschiedliche Lebensgeschichten und die Sprache unter ganz verschiedenen Umständen gelernt. Dabei habe ich viele interessante Dinge gehört und selbst viel dazugelernt.

Erst während der Recherche habe ich wirklich verstanden, wie viel Arbeit, Zeit und Vorbereitung hinter einem Video oder einem Beitrag stecken.

Der CLAUS-Preis war mit Workshops verbunden, in denen ihr journalistisches Arbeiten kennengelernt habt. Was hast du dabei am meisten gelernt?
Wir hatten insgesamt drei Workshops und konnten auch danach immer noch Fragen stellen und Unterstützung bekommen. Einerseits habe ich technische Dinge gelernt – etwa Bildausschnitte auszuwählen, Kameraführung oder den Umgang mit Schnittprogrammen. Andererseits aber auch, wie Recherche funktioniert, wie man ein Thema findet und einen Beitrag aufbaut. Das hat mir sehr geholfen.

Über welchen Zeitraum lief das Projekt?
Begonnen hat es im Oktober 2025. Die endgültige Abgabe war dann Anfang Mai. Dazwischen hatten wir mehrere Workshops an der Schule, bei denen uns die Experten Jiri Gasperi und Mareike Sölch begleitet und unterstützt haben.

Ist dir während der Arbeit am Beitrag bewusst geworden, wie viel Aufwand hinter journalistischer Arbeit steckt?
Ja, auf jeden Fall. Erst während der Recherche habe ich wirklich verstanden, wie viel Arbeit, Zeit und Vorbereitung hinter einem Video oder einem Beitrag stecken.

In deinem Videofeature führst du selbst durch den Beitrag. Hast du deine Moderationen vorher geskriptet?
Ja. Zuerst habe ich natürlich alle Interviews geführt und danach geschaut, welche Ausschnitte ich verwenden könnte. Dann habe ich ein Skript geschrieben, um die verschiedenen Interviews gut miteinander zu verbinden. Ich musste es noch mehrmals überarbeiten, weil es anfangs zu lang war. Danach habe ich versucht, den Text auswendig zu lernen und aufzunehmen.

In deinem Beitrag kommen viele unterschiedliche Menschen zu Wort. Hast du das bewusst so geplant?
Ja, weil ich verschiedene Perspektiven zeigen wollte. Einerseits den Blick auf die Vergangenheit, andererseits auf die Zukunft – aber eben auch darauf, wie Menschen die ladinische Sprache heute wahrnehmen.

Aber selbst wenn man nicht gewinnt, lernt man unglaublich viel – vor allem durch die Workshops.

Viele junge Menschen wachsen heute mehrsprachig auf. Glaubst du, dass Ladinisch in Zukunft stärker geschützt oder bewusster gelebt werden muss?
Ich glaube schon, dass es wichtig ist, die Sprache zu schützen – vor allem aber, sie im Alltag zu benutzen und lebendig zu halten. Man sollte bewusst versuchen, gut Ladinisch zu sprechen und die Sprache auch so weiterzuentwickeln, dass sie im täglichen Leben verwendet werden kann. Wichtig ist, dass Menschen sich der Sprache bewusst sind und sie aktiv nutzen.

Die Preisverleihung fand in Sexten statt. Wie hast du den Moment erlebt, als dein Name als Gewinnerin aufgerufen wurde?
Ich war auf jeden Fall sehr glücklich und auch stolz, dass ich mit meinem Beitrag die Jury überzeugen konnte.

Würdest du die Teilnahme am Schüler CLAUS weiterempfehlen?
Ja, sicher. Man muss sich bewusst sein, dass es viel Arbeit und Zeit braucht. Aber selbst wenn man nicht gewinnt, lernt man unglaublich viel – vor allem durch die Workshops. Man wächst dabei auch persönlich über sich hinaus, etwa wenn man eher schüchtern ist und lernen muss, auf Menschen zuzugehen und Interviews zu führen.

Das Videofeature von Maria Erhard sowie weitere Beiträge des Schülerinnen- und Schülerpreis CLAUS werden werden in den kommenden Wochen auf INFO veröffentlicht.

INFO Redaktion

Interview mit CLAUS-Gewinnerin Maria Erhard

„Der Jagerrucksock“

Freitag, 12.6.2026

Im Kindergarten Verdings drehte sich im Mai alles um heimische Wildtiere und ihren Lebensraum. Mit Unterstützung des „Jagerrucksocks“ des Südtiroler Jagdverbands lernten die Kinder spielerisch Tiere aus Wald und Wiese kennen – und bekamen dabei sogar Besuch von einem Jäger und einem Jagdaufseher.

mehr dazu…

im Fokus

  • „Ladinisch ist für mich Identität und Heimat“
    Mit einem Videofeature über die ladinische Sprache hat Maria Erhard den diesjährigen Schülerinnen- und Schülerpreis CLAUS gewonnen. Die Schülerin des Kunstgymnasiums Bruneck setzte sich in ihrem Beitrag mit der Bedeutung der ladinischen Sprache für Identität, Alltag und Zusammenleben auseinander.
  • „Das hat meinen Blick auf die Tiere verändert“
    41 Jahre lang arbeitete Karl Messner als Tischler, dann ging er in Pension. Heute hütet er auf der Kuhalm oberhalb von Telfes in der Gemeinde Ratschings rund 80 Rinder. Im INFO-Interview erzählt er, warum er sich zum zertifizierten Hirten ausbilden ließ, was er im Lehrgang gelernt hat und weshalb ein guter Hirte seine Tiere genau beobachten muss.
  • „Wir wollten Menschen eine Stimme geben, die sonst selten gehört werden“
    Mit ihrer Reportage „Wann hört Heimat auf?“ gewannen Annalena Gufler und Fabian Pircher von der LBS Gutenberg den Gabriel-Grüner-Schülerpreis 2026. Im INFO-Interview sprechen sie über die Workshops, die Arbeit an ihrer Geschichte und darüber, was ihnen von der Begegnung mit dem ältesten Bauern von Moos in Passeier geblieben ist.
  • Digitale Medien: Orientierung für die ersten Lebensjahre 
    Smartphones und Tablets gehören längst zum Familienalltag – oft schon bei den Kleinsten. Das Projekt DigiKids Vinschgau setzt genau hier an und will Fachkräfte und Eltern für einen bewussten Umgang sensibilisieren. Kernstück sind neue Informationsflyer für Familien mit Kindern von 0 bis 6 Jahren. Sylvia Baumgartner und Evi Brugger vom Kindergartensprengel Schlanders erklären im Interview, wie diese entstanden sind und welche Orientierung sie bieten. 
  • „Es beginnt mit einem Traum“ 
    Eine Schule, die kurz vor dem Aus stand, gilt heute als Vorbild: In Mülheim an der Ruhr in Nordrhein-Westfalen hat Schulleiterin Nicola Küppers einen radikalen Wandel angestoßen – hin zu einer Schule, die Beziehung, Verantwortung und individuelle Förderung ins Zentrum stellt. Wie dieser Weg gelungen ist – und was andere daraus lernen können. 
Mehr…