Zeitlupe

Maria Montessori: Zwischen pädagogischem Pioniergeist und dunklen Ideologien 

Mittwoch, 13.11.2024

Die Montessori-Methode gilt als wegweisend in der Kindererziehung, basierend auf Freiheit und Selbstständigkeit. Doch ihre Nähe zu eugenischem Gedankengut (Erbgesundheitsforschung) und autoritären Ideologien wirft Fragen auf. 

Die Bildungsphilosophie Maria Montessoris (1870–1952) basiert auf dem Prinzip der individuellen Förderung und Autonomie des Kindes. Die italienische Ärztin, die sich übrigens selbst nie als Pädagogin bezeichnete, ging davon aus, dass jedes Kind einen inneren Entwicklungsdrang besitzt und durch Eigeninitiative und Selbstständigkeit in einer vorbereiteten Umgebung am besten lernen kann. Zentral für ihre Methode ist die Idee des „Lernens durch Erleben“: Kinder sollen in ihrem eigenen Tempo und nach ihren eigenen Interessen lernen, begleitet von speziellen Materialien, die ihre Sinne und kognitiven Fähigkeiten anregen. Der Satz „Hilf mir, es selbst zu tun“ ist das Leitmotiv ihres Erziehungskonzeptes. 

Montessori, die 1896 als eine der ersten Frauen Italiens Medizin studierte, kam über ihre Arbeit mit Kindern mit Behinderungen zur Erziehung und entwickelte ihre Methodik erstmals in einem römischen Kinderhaus (Casa dei Bambini) im Jahr 1907. Sie beobachtete, dass Kinder mehr lernen, wenn sie Raum für selbstständige Erkundung erhalten und entwickelte daraufhin Materialien und Aufgaben, die sie auf natürliche Weise motivieren. Montessori forderte, dass Lehrerinnen und Lehrer eher als Beobachtende und Unterstützende auftreten und Kindern eine Umgebung bieten, die ihre natürliche Neugier fördert. 

Die Montessori-Pädagogik wird heute weltweit in Schulen angewandt und hat großen Einfluss auf Bildungskonzepte.

Die Montessori-Pädagogik wird heute weltweit in Schulen angewandt und hat großen Einfluss auf Bildungskonzepte. Sie betont die Eigenverantwortung und Individualität jedes Kindes und zielt darauf ab, die kindliche Freude am Lernen und Entdecken zu erhalten. Was vielen Erziehenden daran gefällt: Das forschende und entdeckende Lernen wird gefördert und im Mittelpunkt steht immer das Kind. Weltweit gibt es über 40.000 Montessori-Einrichtungen, der kindzentrierte Ansatz findet aber in den meisten sozialpädagogischen Einrichtungen Beachtung. In Südtirol gibt es sieben Montessori-Mittelpunktschulen.

Kritiken an Maria Montessori 

Auch wenn das pädagogische Konzept von Maria Montessori beispielsweise in Bezug auf die fehlende Notengebung auch kritisiert wird, wird es seit jeher als sehr positiv wahrgenommen. Die eher dunkle Seite der Ärztin und ihr fragwürdiges Denken sind weniger bekannt. Ihr Ziel war die Erschaffung eines „perfekten Kindes“ – auf intellektueller, moralischer und körperlicher Ebene. Die Erziehungs- und Pädagogikwissenschaftlerin Sabine Seichter setzt sich in ihrem Buch „Der lange Schatten Maria Montessoris“ mit diesen von Montessori selbst verschriftlichten Ansichten und Äußerungen auseinander. Zudem beschäftigte sich Montessori laut Seichter wohl intensiv mit Eugenik und der Rassentheorie und war zudem den Ideen des Faschismus und Nationalsozialismus nicht abgeneigt. Maria Montessori unterschied zwischen sogenannten „normalen“ und „anormalen“ Menschen und betitelte Menschen mit körperlichen oder geistigen Behinderungen auch als „Monster“ und „Parasiten“. 

Eine Montessori-Einrichtung kann trotz der Überzeugungen ihrer Namensgeberin eine gute Schule oder ein guter Kindergarten sein.

Angesichts solcher Aussagen und des dunklen Gedankenguts der Ärztin stellt sich natürlich die Frage, inwiefern sie als Vorreiterin der Inklusion betitelt werden und inwieweit ihr pädagogischer Ansatz derart heroisiert werden darf. Natürlich hat der heutige pädagogische Ansatz, der auf Montessoris Ideen fußt, nichts mehr mit ihren radikalen und zum Teil sehr unmenschlichen Gedanken zu tun. Und eine Montessori-Einrichtung kann trotz der Überzeugungen ihrer Namensgeberin eine gute Schule oder ein guter Kindergarten sein. Nichtsdestotrotz ist das Wissen über diese Kehrseite äußerst wichtig und lehrt uns vor allem eines: zu hinterfragen. 

Quellen: 

INFO Redaktion

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„Nichts zu tun ist das Gefährlichste“

Freitag, 20.3.2026

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Dienstag, 17.3.2026

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