50 Jahre Kaiserhof Meran

„Innovation aus Tradition“

Montag, 11.5.2026

Seit 50 Jahren bildet die Hotelfachschule Kaiserhof in Meran junge Menschen für Tourismus und darüber hinaus aus. Direktor Hartwig Gerstgrasser spricht im INFO-Interview über Entwicklung, aktuelle Herausforderungen und die Zukunft der Ausbildung.

Mit einem mehrtägigen Jubiläumsprogramm hat die Hotelfachschule Kaiserhof in Meran heuer ihr 50-jähriges Bestehen gefeiert. Neben einem offiziellen Festakt stand dabei vor allem der Austausch im Mittelpunkt: zwischen ehemaligen und aktuellen Schülerinnen und Schülern, Lehrpersonen sowie Vertreterinnen und Vertretern aus Politik und Wirtschaft. Die Schule blickt auf eine Entwicklung zurück, die eng mit dem Wandel des Tourismus in Südtirol verbunden ist – von einer klassischen Ausbildung für Hotelierskinder hin zu einem breiten Bildungsangebot für junge Menschen aus unterschiedlichsten Kontexten. Heute verbindet der Kaiserhof fachliche Praxis mit allgemeinbildenden Inhalten, digitalen Kompetenzen und sogenannten Soft Skills. Direktor Hartwig Gerstgrasser, seit 2018 im Amt, spricht im Interview über diese Entwicklung, über Erwartungen der Schülerinnen und Schüler und darüber, wie sich die Schule für die Zukunft aufstellt.

INFO: 50 Jahre Kaiserhof – was bedeutet dieses Jubiläum für die Schule?
Hartwig Gerstgrasser: Das Jubiläum war für uns vor allem eine Gelegenheit, auf das zurückzublicken, was den Kaiserhof stark gemacht hat. Deshalb war es uns wichtig, nicht nur einen Festakt zu organisieren, sondern eine ganze Woche mit unterschiedlichen Momenten zu gestalten. Neben dem offiziellen Teil mit Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Schule ging es uns vor allem um den Austausch – zwischen ehemaligen und aktuellen Schülerinnen und Schülern sowie dem Personal. Diese Begegnungen waren sehr wertvoll für die gesamte Schulgemeinschaft.

Wofür stand der Kaiserhof von Anfang an?
Der Kaiserhof wurde gegründet, um eine qualitativ hochwertige Ausbildung im Hotel- und Tourismusbereich anzubieten. Von Anfang an ging es um eine zweigleisige Ausrichtung: einerseits fachliche Kompetenz – also Küche, Service, Rezeption –, andererseits eine breite allgemeinbildende Grundlage. Ziel war es immer, Menschen auszubilden, die nicht nur wissen, wie man einen Betrieb führt, sondern auch verstehen, wie die Praxis funktioniert. Diese Kombination macht den Kaiserhof bis heute besonders.

Wie hat sich die Schule in den vergangenen Jahrzehnten verändert?
Es hat sich sehr viel verändert – organisatorisch und inhaltlich. Es gab Zeiten, da war die Schule eine Ganztagsschule mit bis zu 44 Wochenstunden. Heute geben wir den Jugendlichen bewusst mehr Freiräume, damit sie sich auch außerhalb der Schule engagieren können, etwa im Sport oder im Ehrenamt. Gleichzeitig haben wir neue Lernformen eingeführt, etwa Lernpakete und Elemente des Fernunterrichts.

Inhaltlich sind wir breiter geworden. Wir halten an unseren traditionellen Stärken fest, haben aber gleichzeitig neue Bereiche aufgebaut, etwa im digitalen Bereich. Mit unserem Multimedialabor lernen die Schülerinnen und Schüler, wie sie Inhalte produzieren, präsentieren und auch in sozialen Medien einsetzen können. Es geht heute nicht mehr nur darum, einen Teller ansprechend anzurichten, sondern auch darum, ihn professionell in Szene zu setzen.

Früher kamen vor allem Kinder aus dem Hotel- und Gastgewerbe zu uns. Heute haben wir junge Menschen aus ganz unterschiedlichen familiären Kontexten – auch viele Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger, die sich für die Branche interessieren.

Wer sind die Schülerinnen und Schüler heute am Kaiserhof?
Das Profil hat sich deutlich verändert. Früher kamen vor allem Kinder aus dem Hotel- und Gastgewerbe zu uns. Heute haben wir junge Menschen aus ganz unterschiedlichen familiären Kontexten – auch viele Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger, die sich für die Branche interessieren. Gleichzeitig eröffnet die Ausbildung viele Wege: Unsere Absolventinnen und Absolventen können im Tourismus arbeiten, aber auch jedes Studium anstreben. Sie erwerben grundlegende Kompetenzen – Sprachen, wirtschaftliches Verständnis, Auftreten –, die in vielen Bereichen gefragt sind.

Was erwarten junge Menschen heute von einer Ausbildung im Tourismus?
Wir beobachten, dass sie stärker eingebunden werden wollen. Früher wurde oft einfach vorgegeben, was zu tun ist. Heute erwarten die Jugendlichen, dass sie mitgestalten können und ihre Fähigkeiten einbringen dürfen. Sie sind sehr motiviert und engagiert, brauchen aber auch Spielräume. Diese Haltung spiegelt sich auch in den Betrieben wider. Unsere Umfragen zeigen, dass rund 95 Prozent der Schülerinnen und Schüler ihren Praktikumsbetrieb weiterempfehlen – ein deutlich besserer Wert als noch vor einigen Jahren.

Wie nah ist die Ausbildung an der Realität im Tourismus?
Sehr nah. Durch die jährlichen Praktika stehen wir in engem Austausch mit den Betrieben. Zusätzlich arbeiten wir kontinuierlich mit Verbänden und Unternehmen zusammen, um die Ausbildung weiterzuentwickeln. Auch unsere projektorientierte Arbeitsweise sorgt dafür, dass die Schülerinnen und Schüler reale Einblicke bekommen.

Welche Kompetenzen sind heute entscheidend?
Neben fachlichem Wissen sind vor allem sogenannte Soft Skills wichtig: Kommunikationsfähigkeit, Resilienz, ein professionelles Auftreten. Digitalisierung spielt eine große Rolle, aber im Zentrum steht weiterhin der Mensch. Künstliche Intelligenz kann unterstützen, etwa bei organisatorischen Abläufen, aber sie ersetzt nicht den persönlichen Kontakt. Deshalb legen wir großen Wert darauf, dass die Schülerinnen und Schüler lernen, diese Technologien bewusst und sinnvoll einzusetzen.

Welche Rolle spielen Themen wie Nachhaltigkeit?
Nachhaltigkeit ist für die Jugendlichen sehr wichtig. Wir greifen das im Schulalltag konkret auf, etwa durch regionale Produkte oder einen internen Kreislauf bei Lebensmitteln. Gleichzeitig diskutieren wir diese Themen intensiv im Unterricht. Die Schülerinnen und Schüler denken sehr reflektiert darüber nach und bringen eigene Ideen ein.

Uns ist wichtig, dass sie eine klare Haltung entwickeln – im Umgang mit Menschen, in ihrer Arbeit und im Leben allgemein.

Wie reagiert die Schule auf den Wandel im Tourismus?
Wir entwickeln uns gemeinsam mit den Betrieben weiter. Es gibt einen kontinuierlichen Austausch mit den Verbänden, um zu verstehen, was gebraucht wird. Gleichzeitig beschäftigen wir uns mit Zukunftsfragen: Wie wird Tourismus in 10 oder 20 Jahren aussehen? Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit? Die Schülerinnen und Schüler bewegen sich dabei im  Spannungsfeld zwischen wirtschaftlichen Anforderungen und gesellschaftlichen Erwartungen. Dieses Spannungsfeld ist auch Teil unserer Ausbildung.

Was möchten Sie den Schülerinnen und Schülern mitgeben?
Uns ist wichtig, dass sie eine klare Haltung entwickeln – im Umgang mit Menschen, in ihrer Arbeit und im Leben allgemein. Viele Absolventinnen und Absolventen sagen rückblickend, dass ihnen genau diese Werte besonders geholfen haben. Unser Ziel ist, dass die Schülerinnen und Schüler nicht nur gut ausgebildet sind, sondern auch selbstbewusst ihren Weg gehen – und später gerne auf ihre Zeit am Kaiserhof zurückblicken.

INFO Redaktion

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