Wie intelligent ist Künstliche Intelligenz?

Was kann Künstliche Intelligenz – und wo liegen ihre Grenzen? Beim Meinungsforum „klar.text“ im Vinzentinum in Brixen setzte sich eine Oberschulklasse kreativ und interaktiv mit genau diesen Fragen auseinander.
„Wir und die KI: Fortschritt mit Nebenwirkungen“ lautete der Titel des Impulsvortrags von Professor Diego Calvanese, mit dem am Mittwochabend die Veranstaltung eröffnet wurde. Organisiert von der zweiten Oberschulklasse stand das Forum diesmal im Zeichen von „Mensch vs. Maschine“ und widmete sich der Beziehung zwischen Künstlicher Intelligenz und dem Menschen.
Calvanese von der Universität Bozen, der sich seit Jahrzehnten mit KI beschäftigt, erklärte, wie Künstliche Intelligenz funktioniert und welche zentralen Problemstellungen sich daraus ergeben. Dazu zählen etwa Deepfakes – also KI-generierte Fälschungen –, aber auch sogenannte Deeptrue-Darstellungen: echte Bilder oder Videos, die mithilfe von KI gezielt verändert werden, um überzeugender oder dramatischer zu wirken.
Ein weiteres Thema war der sogenannte Machine Bias. Da KI-Systeme auf großen Datenmengen basieren, übernehmen sie auch darin enthaltene Vorurteile und Stereotypen – und reproduzieren diese in ihren Antworten. Auch Large Language Models (LLM), die auf Plausibilität arbeiten, werfen Fragen auf: Sie erzeugen sprachlich stimmige Aussagen, ohne deren Bedeutung tatsächlich zu verstehen. Entscheidend sei daher, so Calvanese, diese Systeme so zu gestalten, dass sie menschlichen Absichten möglichst gut entsprechen.

Was bedeutet das für den Arbeitsmarkt?
Viele Tätigkeiten wird KI künftig besser ausführen können als Menschen. Eine zentrale Frage wird sein, wie Menschen dennoch relevant bleiben: Sie müssen Kompetenzen entwickeln, die über jene der KI hinausgehen – ein oft langer Lernprozess. Erst dann können sie mit Unterstützung der KI bessere Ergebnisse erzielen als die Maschine oder ein Mensch allein. Das könnte das Ende der Mittelmäßigkeit in der Arbeitswelt bedeuten.
KI oder echt?
Im zweiten Teil ging es von der Theorie in die Praxis. Die Klasse präsentierte ein interaktives Quiz, bei dem das Publikum per Handy entscheiden musste, ob es sich bei gezeigten Bildern und Videos um KI-generierte oder echte Inhalte handelte. Die Ergebnisse waren ausgeglichen: 49 Prozent der Darstellungen wurden korrekt erkannt, in 51 Prozent der Fälle lag das Publikum daneben.

KI-Chatbot versus Mensch
Den Abschluss bildete eine Live-Diskussion zwischen dem Philosophen Andrés C. Pizzinini und einem KI-Chatbot. Auf die Frage, ob er im traditionellen Sinn intelligent sei und über „Erkenntnis“ verfüge, antwortete der Chatbot selbstkritisch: „Erkennen im menschlichen Sinne, mit echtem Verständnis, ist nicht ganz mein Ding. Ich verarbeite Muster und Informationen. Aber die eigentliche Bedeutung hinter deinen Gedanken – die erkennst du am Ende wohl immer noch besser als ich. (…) Ich respektiere, wie Menschen mich ansprechen. Aber ich werde mich immer ehrlich einordnen, wenn es um meine Grenzen geht.“
Nach dieser eher grundsätzlichen Auseinandersetzung wurde es zum Abschluss lockerer: Chatbot und Pizzinini sprachen über Immanuel Kant – und darüber, wie man am besten einen Lebenspartner findet. Das humorvoll gestaltete Event wurde von den rund 60 Besucherinnen und Besuchern positiv aufgenommen.

Wie man am besten einen Lebenspartner findet – darüber sprachen Chatbot und Andrés Pizzinini und verliehen damit der Veranstaltung auch eine humorvolle Note.
Live-Diskussion zwischen dem Philosophen Andrés C. Pizzinini und einem KI-Chatbot.





