Gemeinsam den richtigen Groove finden

Bei den Sommermusikwochen in Eppan leitete die Südtiroler Jazzmusikerin und Saxophonistin Helga Plankensteiner erstmals den Kurs „Big Band“. Im INFO-Interview erzählt sie, warum das Spielen in einer Big Band wie Mannschaftssport funktioniert und wie Jugendliche an Jazz und Improvisation herangeführt werden.
Noch wird geprobt, ausprobiert und an den letzten Feinheiten gearbeitet. Als INFO Helga Plankensteiner am Tag vor dem Abschlusskonzert in der Musikschule Eppan erreicht, liegen bereits intensive Probentage hinter der Big Band. „Wir haben eine super Stimmung hier“, erzählt die bekannte Südtiroler Jazzmusikerin und Saxophonistin. Besonders die Motivation der jungen Musikerinnen und Musiker begeistert sie.
Der Kurs „Big Band“ fand heuer erstmals im Rahmen der Sommermusikwochen statt, die von der Landesdirektion Deutsche und Ladinische Musikschule angeboten und organisiert werden. Vier Tage lang beschäftigten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit Big-Band- und Jazzmusik. Trompeten, Posaunen und Saxophone trafen dabei auf Schlagzeug, Bass und Klavier.
Für Plankensteiner ist der neue Kurs ein besonderes Anliegen. Sie selbst ist seit vielen Jahren auch an der Musikschule tätig und hat außerhalb davon bereits Erfahrung mit einer Jugend-Big-Band gesammelt. Nun möchte sie diese Form des gemeinsamen Musizierens stärker in die Musikschule bringen.
INFO: Frau Plankensteiner, was möchten Sie den Jugendlichen in diesen vier Tagen musikalisch mitgeben?
Helga Plankensteiner: Mir ist wichtig, dass sie Spielfreude an der Big-Band- und Jazzmusik entwickeln. Viele kommen eher aus der Klassik. Im Jazz sind Phrasierung und Artikulation anders. Außerdem geht es darum, auch einmal solistisch hervorzutreten und zu improvisieren. Daran führen wir sie langsam heran. Einige trauen sich bereits und improvisieren. Vor allem möchte ich vermitteln, wie toll diese Musik ist.

Viele Jugendliche kennen das gemeinsame Musizieren bereits aus Musikkapellen. Was ist das Besondere an einer Big Band?
Viele hier spielen tatsächlich schon in Jugendkapellen und sind es gewohnt, in einer größeren Gruppe zu musizieren. Das gemeinsame Spielen ist ein bisschen wie Mannschaftssport: Man spielt zusammen und versucht gemeinsam etwas zu erreichen. Genau das finde ich so schön. Man verfolgt ein gemeinsames Ziel und macht das nicht allein.
Die Teilnehmenden bringen unterschiedliche Instrumente und musikalische Erfahrungen mit. Wie gelingt es, daraus innerhalb von vier Tagen eine funktionierende Big Band zu formen?
Das ist die Herausforderung. Wir haben sieben Stücke vorbereitet, die nicht ganz einfach sind und innerhalb dieser wenigen Tage einstudiert werden müssen. Gleichzeitig soll es nicht zu stressig werden. Gerade die Bläser brauchen zwischendurch auch Pausen. Wir schauen uns heuer deshalb auch an, wie das Konzept funktioniert. Vielleicht brauchen wir künftig einen oder zwei Tage mehr. Wahrscheinlich wird nicht alles perfekt sein. Aber die Musikerinnen und Musiker sind unglaublich motiviert.
Wenn innerhalb so kurzer Zeit eine solche Begeisterung entsteht, ist das natürlich toll.
Was können die Jugendlichen in einer Big Band lernen, das im normalen Instrumentalunterricht weniger Platz hat?
Viele haben vielleicht Lehrpersonen, die stärker aus der klassischen Musik kommen, und hatten deshalb bisher weniger Berührung mit Jazz. Hier lernen sie eine andere Art von Musik kennen. Einer unserer Trompeter hat beispielsweise bei einem Stück gesagt: Das gefällt mir, das möchte ich wieder spielen. Diese Musik war für ihn in dieser Form neu. Wenn innerhalb so kurzer Zeit eine solche Begeisterung entsteht, ist das natürlich toll.
Beim Jazz spielt Improvisation eine wichtige Rolle. Wie viel Freiheit bekommen die Jugendlichen?
In einer kleinen Jazzgruppe gibt es grundsätzlich mehr Freiheit: Man spielt ein Thema und anschließend wird improvisiert. In einer Big Band ist vieles stärker festgelegt. Aber auch hier gibt es Stellen, an denen wir das Arrangement öffnen und Solistinnen und Solisten Raum geben.
Dabei muss man schauen, wie viel Erfahrung jemand bereits mit Improvisation hat. Wir gehen das vorsichtig an, damit niemand überfordert wird. Manche Saxofonistinnen und Saxofonisten sind das beispielsweise schon stärker gewohnt. Andere improvisieren kürzer oder vielleicht beim ersten Mal noch gar nicht. Wir haben jetzt vier oder fünf Solistinnen und Solisten. Für eine junge Big Band ist das schon sehr viel.
Was wünschen Sie sich, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer von diesen Tagen mitnehmen?
Zunächst wünsche ich mir, dass sie diese Tage als eine schöne gemeinsame Zeit in Erinnerung behalten. Mir ist wichtig, dass sie als Team zusammenfinden, und das ist hier wirklich passiert. Musikalisch würde ich mir wünschen, dass sie künftig aufmerksam werden, wenn sie diese Art von Musik hören. Vielleicht suchen sie auf Spotify danach, gehen einmal zu einem Jazzkonzert oder möchten selbst weiterhin solche Musik spielen. Sie sollen einfach Lust bekommen, diese musikalische Welt neben all den anderen Dingen, die sie spielen, weiterzuentdecken.
Der Big-Band-Kurs fand heuer zum ersten Mal statt. Soll das Angebot weitergeführt werden?
Das hoffen wir. Beim ersten Mal muss ein solcher Kurs natürlich erst bekannt werden. Deshalb waren wir heuer froh über alle, die sich angemeldet haben. Wir hatten noch keine Teilnehmerbegrenzung. Wenn der Kurs weitergeführt wird und irgendwann so viele mitmachen wollen, dass wir eine Grenze brauchen, wäre das natürlich ein schönes Problem.




