Mit digitalen Medien Sprachanlässe schaffen

Mittwoch, 27.5.2026

Wie können digitale Medien Kinder zum Sprechen anregen? Eine Kindergartenpädagogin aus Bozen zeigt anhand konkreter Praxisbeispiele, wie Tablets, Hör-Clips oder Story-Sequenzer gezielt eingesetzt werden können, um Sprache spielerisch, alltagsnah und ganzheitlich zu fördern.

Der Erwerb der deutschen Sprache ist in unserem Kindergarten ein zentrales Bildungsanliegen, da viele Kinder mit einer Erstsprache aufwachsen, die sich von der Bildungssprache des Kindergartens unterscheidet. Im Team setzten wir uns das Ziel, die Kinder durch gezielte Gesprächsführung sprachlich und ganzheitlich zu stärken. Mir war es wichtig, digitale Medien bewusst einzusetzen, um einen lebensweltbezogenen Zugang zu schaffen, der zum Sprechen anregt und das Selbstvertrauen stärkt. Einige dieser Sprachanlässe werden im Folgenden beschrieben.

Geschichten erzählen mit dem STORY-SEQUENZER

Dem Thema Schnee näherten wir uns mit dem animierten Kindersachfilm „Wie entsteht eine Schneeflocke?“ (SRF Kids). Sechs zentrale Bildausschnitte wurden in den Story-Sequenzer eingefügt. Nach mehrmaligem Ansehen beschrieben die Kinder die Bilder mit eigenen Worten. Die Sprachaufnahmen wurden anschließend in der Großgruppe angehört. Die Kinder erkannten ihre Stimmen wieder und waren stolz, sich selbst zu hören. Der Story-Sequenzer blieb frei zugänglich, sodass die Aufnahmen jederzeit erneut angehört und gemeinsam besprochen werden konnten.

Über den Story-Sequenzer konnten die Sprachaufnahmen jederzeit angehört werden.

Mit Hör-Clips zum Dialog

In Interessensgruppen hörten die Kinder verschiedene Geräusche (zum Beispiel über „Auditorix – Hören mit Qualität“). Als „Hördetektive“ beschrieben sie Natur-, Innen- und Außengeräusche, identifizierten einzelne Elemente und tauschten sich sprachlich darüber aus (zum Beispiel „Autos fahren schnell“), bis gemeinsam die Lösung gefunden wurde, etwa „Autobahn“. Die Hörkulisse wurde jeweils zusätzlich bildlich dargestellt.

Die erkannten Hörkulissen wurden über Bilder veranschaulicht

Mit TABLET und BIG-POINT-SPRECHSTEINEN auf Exkursion

Die Vorschulkinder schlüpften in die Rolle von Fotografeninnen und Fotografen und gestalteten eine Steckbrief-Collage als Erinnerung an ihr letztes Kindergartenjahr. Mit dem Tablet gingen sie selbstständig auf Fotoexkursion durch den Kindergarten und hielten fest, wo und womit sie besonders gerne spielen. Die Aufgabe war motivierend und die Mädchen und Jungen zeigten einen sicheren, achtsamen Umgang mit dem Gerät.

Im Abschlusskreis kamen die Big-Point-Sprechsteine zum Einsatz. Täglich wurde ein Kind ausgewählt, dessen Stärken, Vorlieben und Wünsche für die Zeit nach dem Kindergarten besprochen wurden. Die Kinder sprachen begeistert in die Sprechsteine. Alle Beiträge wurden direkt angehört und gemeinsam mit Fotos und Erinnerungen als verschriftlichtes Interview dokumentiert.

Mit einem Tablett wurden die Lieblingsspiele und -Orte fotografiert

Forschen und Lernen mit dem Anybook Reader

Beim Thema Insekten wurden über den Anybook Reader vorbereitete Inhalte einer Fachkraft genutzt. Die Kinder konnten diese beliebig oft anhören, wiederholen und so das Gelernte vertiefen.

Der Anybook Reader kam beim Thema Insekten zum Einsatz
 

Fazit

Die digitalen Medien weckten Neugier, förderten Motivation und reduzierten Sprechhemmungen deutlich. Sie boten vielfältige Sprachanlässe und unterstützten sowohl das Zuhören als auch das aktive Sprechen nachhaltig.

Quellen:
„Medien zum Mitmachen. Impulse für Medienbildung in der Kita“, Verlag Herder (2019).
„Digital Genial. Erste Schritte mit Neuen Medien im Kindergarten“, Verlag Bananenblau – Der Praxisverlag für Pädagogen (2014). aktives Zuhören sowie Sprechen nachhaltig unterstützen.

Margareth Hofer – KSP Bozen

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