WorldSkills 2026
„Wie bei den Olympischen Spielen“

15 junge Fachkräfte aus Südtirol traten bei den WorldSkills in Shanghai in 13 Berufen an – und kehrten mit Gold, Bronze und acht Medallions for Excellence zurück. Cäcilia Baumgartner, Direktorin des Amtes für Lehrlings- und Meisterausbildung, war vor Ort. Im INFO-Interview erzählt sie von ihren Eindrücken.
INFO: Frau Baumgartner, Sie waren bei den WorldSkills in Shanghai vor Ort. Was muss man sich unter einer Berufsweltmeisterschaft dieser Größenordnung vorstellen?
Cäcilia Baumgartner: Die Wettkämpfe fanden im Messezentrum von Shanghai statt, einem riesigen Komplex. Allein dort muss man sich erst einmal zurechtfinden. Die einzelnen Wettkampfstätten selbst unterscheiden sich gar nicht so stark von dem, was wir etwa von Landesmeisterschaften kennen. Beeindruckend ist vielmehr die Dimension rundherum: die vielen Nationen, die Eröffnungs- und Abschlussveranstaltungen und das Gefühl, dass dort junge Fachkräfte aus der ganzen Welt zusammenkommen. Gerade bei der Abschlussfeier hatte ich wirklich das Gefühl, bei den Olympischen Spielen zu sein.
Was hat Sie in Shanghai besonders beeindruckt?
Shanghai selbst war für mich schon beeindruckend. Die Stadt hat fast 30 Millionen Einwohner und wirkt trotzdem erstaunlich gut organisiert. Der Verkehr erschien mir weniger chaotisch, als ich erwartet hatte. Auffällig sind beispielsweise die vielen Elektroautos. An den Kennzeichen erkennt man sofort, ob es sich um ein Elektroauto oder einen Verbrenner handelt – und man sieht fast nur grüne Kennzeichen.
Auch die Digitalisierung ist im Alltag dort viel weiter fortgeschritten als bei uns. Bezahlt wird fast ausschließlich über die Apps Alipay und WeChat. Gleichzeitig sprechen erstaunlich wenige Menschen Englisch. Wenn die Verständigung schwierig wurde, kam sofort das Smartphone zum Einsatz: Man spricht hinein, und eine Übersetzungssoftware übernimmt. Das war für mich schon eine Reise in eine andere Welt.

in der Altstadt von Shanghai
China hat die WorldSkills auch als große Bühne genutzt. Wie haben Sie das erlebt?
Sehr deutlich. China wollte zeigen: Wir sind eine Weltmacht und bei technischen Berufen und Zukunftstechnologien ganz vorne dabei. Bei der Abschlussveranstaltung sah man bei der Medaillenvergabe fast bei jedem Beruf die chinesische Flagge groß auf der Leinwand eingeblendet, und in 42 von 64 WorldSkills-Disziplinen hieß es: „The gold medal goes to China.“
Gerade in Bereichen wie Robotik, Drohnentechnik oder IT waren China und andere asiatische Länder sehr stark. Das beeindruckt natürlich. Gleichzeitig muss man immer die unterschiedlichen Voraussetzungen berücksichtigen.
Welche Unterschiede gibt es bei der Vorbereitung?
In manchen asiatischen Ländern werden WorldSkills-Teilnehmerinnen und -Teilnehmer ähnlich wie Spitzensportlerinnen und -sportler vorbereitet. Da gibt es eine sehr starke Auswahl. In Ländern wie China oder Südkorea trainieren die Jugendlichen zwei Jahre oder mehr ausschließlich für diese Wettbewerbe. Dahinter stehen ganz andere finanzielle und personelle Möglichkeiten.
Unsere jungen Leute arbeiten oder studieren und trainieren zusätzlich an Wochenenden. Wenn man diese Voraussetzungen berücksichtigt, sind die Südtiroler Ergebnisse umso bemerkenswerter. Wir waren mit 15 Teilnehmenden in 13 Berufen vertreten, haben Gold und Bronze gewonnen und zusätzlich acht Medallions for Excellence erreicht. Bei den Landschaftsgärtnerinnen gab es beispielsweise einen vierten Platz, bei der Hotelrezeption einen fünften. Da entscheiden oft nur wenige Punkte über eine Medaille.
Liam Fiechter wurde im Mediendesign Weltmeister. Was braucht es, um international ganz vorne mithalten zu können?
Neben dem fachlichen Können ist die Erfahrung der Expertinnen und Experten, die den Teilnehmer oder die Teilnehmerin begleiten, sehr wichtig. Man muss die Bewertungskriterien genau kennen und wissen, worauf bei einem internationalen Wettbewerb besonders geachtet wird. Deshalb ist es auch wichtig, regelmäßig an solchen Wettbewerben teilzunehmen und Erfahrungen weiterzugeben.
Andere Länder haben dafür teilweise größere Strukturen. Österreich kann beispielsweise viel stärker auf nationaler Ebene trainieren und Wettbewerbe organisieren. Südtirol ist dagegen sehr klein. Umso höher ist es einzuschätzen, wenn jemand aus Südtirol bei einer Weltmeisterschaft ganz vorne steht.
Was lernen junge Menschen bei solchen Wettbewerben, das über ihr eigentliches Handwerk hinausgeht?
Sehr viel. Sie lernen, mit Druck umzugehen, ihre Zeit einzuteilen und auch dann Lösungen zu finden, wenn etwas Unvorhergesehenes passiert. Genau das braucht man später auch im Arbeitsleben. Bei den WorldSkills kann plötzlich ein Material anders sein, als man es aus dem eigenen Betrieb kennt, oder bei einem Wettbewerb läuft etwas nicht nach Plan. Dann muss man reagieren. Neben der fachlichen Leistung werden damit Fähigkeiten trainiert, die man in dieser Intensität im normalen Schul- oder Arbeitsalltag nicht immer lernt.

Was sagen die Ergebnisse über die berufliche Ausbildung in Südtirol aus?
Dass wir uns international nicht verstecken müssen. Gerade die europäischen Länder mit einer langen Tradition der Berufsbildung schneiden bei den WorldSkills sehr gut ab. Die Schweiz ist dafür ein gutes Beispiel, ebenso Österreich. Für Südtirol ist es natürlich etwas Besonderes, wenn bei einer solchen Veranstaltung auf der großen Anzeigetafel „South Tyrol – Italy“ erscheint. Das macht sichtbar, welche Qualität berufliche Bildung bei uns hat.
Können solche Erfolge auch das Image der Lehre verbessern?
Davon bin ich überzeugt. Vielleicht habe ich das früher selbst etwas unterschätzt. Aber solche jungen Menschen sind starke Vorbilder. An ihnen sieht man sehr konkret, wie weit man mit einem Beruf kommen kann. WorldSkills machen Spitzenleistungen im Handwerk und in technischen Berufen sichtbar. Das hilft auch dabei, berufliche Bildung attraktiver zu machen und jungen Menschen zu zeigen: Eine Lehre kann sehr viele Möglichkeiten eröffnen.




