Interview mit Lukas Spitaler, Leiter des Projekts „werkSTOTTschual Aschbach“ 

„Wir wollten etwas Sinnvolles und mit großem Nutzen schaffen!“

Montag, 28.8.2023
haus

Lukas Spitaler ist Beratungslehrer und Leiter des Projekts „werkSTOTTschual Aschbach“. Beim Projekt handelt es sich um ein auf einen längeren Zeitraum angelegtes Pilotprojekt des Beratungsteams der Schule in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Algund, der Technologischen Fachoberschule Meran, dem Jugendförderverein Luis Zuegg, der Landesberufsschule Schlanders und der Landesdirektion Deutsche Berufsbildung. Dabei wird über die Arbeit an einem konkreten Bauprojekt außerhalb der Schule ein weiterer außerschulischer Lernraum geschaffen und so wurde der alte Widum sowie das alte Schulhaus von Aschbach komplett saniert. 

INFO: Herr Spitaler, was genau hat es mit dem Projekt  „werkSTOTTschual Aschbach“  auf sich? 

Lukas Spitaler: Bei der „werkSTOTTschual Aschbach“ geht es um eine offene Lernplattform, weshalb wir auch von einem Projekt an außerschulischen Lernorten sprechen. Ursprünglich hat sich das Projekt an „ausgeschlossene“ Schülerinnen und Schüler gerichtet, die den regulären Unterricht nicht mehr besuchen konnten oder eine Pause gebraucht haben.  

BM Ulrich Gamper, Gemeindereferentin Waltraud Holzner,
Projektleiter Lukas Josef Spitaler, Fachlehrer German Hauser.

Wie hat sich das Projekt entwickelt?

An unserer Schule gibt es schon seit 20 Jahren einen Beratungsdienst. Davon ausgehend haben wir begonnen mit bestimmten Lernenden, die aus dem Regelunterricht ausgeschlossen wurden, in der Schule zu arbeiten. Im Zuge dessen haben wir die Erfahrung gemacht, dass gemeinsames Tun einfach verbindet. Für uns als Beratungslehrer war das gemeinsame Arbeiten ein Zugang zu den Schülerinnen und Schülern, der davor gefehlt hat. Gerade männliche Schüler tun sich in der Pubertät häufig schwer über ihre Gefühle zu reden und zu berichten, was genau los ist. Da hilft es nur selten sich mit ihnen zu zweit für 15 Minuten hinzusetzten und zu reden. Durch die tägliche gemeinsame Arbeit an einem mehrstündigen Projekt haben sich die Schülerinnen und Schüler langsam geöffnet. 

Wie sah es mit der Umsetzung aus? Wie kann man sich die Sanierung eines Gebäudes von Schülerinnen und Schülern vorstellen?

Die Anfangsidee ist – zum Glück – nicht so aufgegangen, wie wir es uns erhofft hatten. Zu Beginn war das Projekt nämlich nur für Betroffene, vom Unterricht ausgeschlossene Schülerinnen und Schüler, gedacht. Das hat vielleicht vier, fünf Tage funktioniert, aber irgendwann war auch das Projekt für die Lernenden nichts Neues und Spannendes mehr. Schnell war die Gruppe vom Projekt gelangweilt. Auf der anderen Seite gab es die „braven“ Schülerinnen und Schüler in der Schule, die nicht verstehen konnten, warum die ausgeschlossen Schüler, die sich nicht an Regeln gehalten haben, nun an so einem tollen Projekt arbeiten dürfen und sie nicht. Das Projekt hat sich sozusagen selbst blockiert. Also haben wir das Projekt umfunktioniert. 

Inwiefern?

Wir haben angefangen die Gruppen zu mischen. Es waren pro Gruppe ein bis zwei „Ausschlussschülerinnen und -schüler“ und zwei Lernende, die super in der Schule waren. Durch die Mischung der Gruppen hat sich die Arbeit positiv entwickelt. Dadurch konnten alle voneinander lernen und etwas ganz Tolles konnte entstehen.   

Wie soll der außerschulische Lernraum in Zukunft genutzt werden?

Gemeinsam mit der Gemeinde Algund – da diese unser Partner beim Projekt war – haben wir uns darauf geeinigt, dass das Gebäude während der Schulzeit als außerschulischer Lernort für die Schulen genutzt werden darf. In der schulfreien Zeit steht der Ort der Gemeinde Algund und ehrenamtlichen Vereinen zur Verfügung. Dieser pragmatische Nutzen für die Schule und die Gemeinde war für das Projekt ganz wesentlich, weil so allen Beteiligten klar war, dass wir etwas mit einem konkreten Ziel errichten, etwas Sinnvolles, etwas von Nutzen.  

Die Einweihungsfeier hat bereits am 26. Mai stattgefunden. Wie waren die Reaktionen auf das sanierte Widum und dem alten Schulhaus?

Es gab ausschließlich positive und tolle Reaktionen. Alle waren begeistert. Das war für uns und die Schülerinnen und Schüler eine große Genugtuung und Freude. Die Schülerinnen und Schüler waren glücklich etwas geschaffen zu haben, das morgen gebraucht wird.  

Wird es in Zukunft weitere solcher Projekte geben?

Mit Sicherheit. Ich hoffe, dass auch andere Schule auf den Zug solcher Projekte aufspringen und sich trauen wird, das Schulhaus zu verlassen. Wir wollten Mut machen. Aktuell führen wir mit dem Burggrafenamt einige Gespräche bezüglich zukünftiger Projekte.   

Redaktion INFO