Schulsport

Wenn jeder Wurf zählt

Freitag, 15.5.2026

Wie eine Brixner Schulklasse im inklusiven Basketball Regionalmeister wurde – und was inklusiver Schulsport leisten kann. 

Der Ball fliegt an den Seitenkorb, ein kurzer Moment der Stille – dann fällt er durch das Netz. Drei Punkte. Nicht, weil der Wurf schwieriger war als andere. Sondern weil hier jemand trifft, für den dieser Treffer mehr ist als ein Spielzug. Auf dem Spielfeld zählt in diesem Moment nicht Schnelligkeit oder Kraft, sondern das Zusammenspiel der Möglichkeiten. 

Die Schülerinnen und Schüler der Klasse 3B des Sozialwissenschaftlichen Gymnasiums „Josef Gasser“ in Brixen haben genau daraus ihre Stärke gemacht. Beim Regionalturnier in Gardolo, nördlich von Trient, gewannen sie vergangene Woche im Baskin den Titel – und sicherten sich damit die Teilnahme am nationalen Finale in Rom. 

Ein Spiel, das Unterschiede nutzt

Baskin, kurz für „Basket Inclusivo“, folgt den Grundregeln des Basketballs und erweitert sie zugleich. Gespielt wird in gemischten Teams, die Rollen sind klar verteilt, abgestimmt auf die individuellen Fähigkeiten der Spielerinnen und Spieler. Neben den klassischen Körben gibt es seitliche Zusatzkörbe, die für inklusive Teammitglieder vorgesehen sind. Dieses Regelwerk ermöglicht nicht nur bloße Teilnahme, sondern fördert und stärkt echte Inklusion. 

Strategie statt Einzelaktion

Unter der Leitung von Sportlehrer Florian Demez haben die Schülerinnen und Schüler der Klasse 3B des Sozialwissenschaftlichen Gymnasiums Brixen dieses System nicht nur verstanden, sondern strategisch genutzt. Jeder Spielzug war bei der Regionalmeisterschaft genau abgestimmt: Einige organisierten den Aufbau, andere sicherten Räume, wieder andere warteten auf den Moment am Zusatzkorb. Angriffe entstanden nicht aus Einzelaktionen, sondern aus dem präzisen Ineinandergreifen dieser Rollen. 

Der Siegerpokal geht nach Brixen: Schülerinnen und Schüler der Klasse 3B des Sozialwissenschaftlichen Gymnasiums „Josef Gasser“ Brixen nach dem Triumph bei der Regionalmeisterschaft im Baskin.

Solche Spielformen finden zunehmend auch Eingang in den Unterricht – nicht zuletzt, weil Lehrpersonen gezielt darauf vorbereitet werden: In diesem Schuljahr hat der Bereich Schulsport innerhalb der Pädagogischen Abteilung erstmals eine Fortbildung zum inklusiven Basketball angeboten, die das pädagogische und didaktische Potenzial des Baskin vermittelt und dessen Umsetzung im Schulalltag stärkt. 

Wettbewerb auf Augenhöhe

Und was auf den ersten Blick wie ein pädagogisches Konzept wirkt, erweist sich im Spiel als Wettbewerb auf hohem Niveau. Denn Baskin verlangt Übersicht, Disziplin und Verlässlichkeit – Eigenschaften, die sich nicht allein über Tempo oder individuelle Stärke herstellen lassen. Wer den Ball führt, muss die anderen mitdenken. Wer abschließt, ist auf das Timing des gesamten Teams angewiesen. 

So erklärt sich auch der Erfolg der Brixner Schülerinnen und Schüler in Gardolo: nicht durch herausragende Einzelmomente, sondern durch ein Zusammenspiel, das über die gesamte Spielzeit hinweg trug. Es war dies eine Form von Teamleistung, die Unterschiede nicht nivellierte, sondern produktiv machte. 

Mehr als ein Schulsport

Der Titelgewinn verweist über den Moment hinaus: Inklusive Wettkampfformen wie Baskin gewinnen im Schulsport zunehmend an Bedeutung – nicht als pädagogische Ergänzung, sondern als eigenständige Disziplin mit klaren Regeln und sportlichem Anspruch. Beteiligung wird hier zur Voraussetzung des Spiels, nicht zu seiner nachträglichen Erweiterung. 

Diese Entwicklung folgt einer klaren pädagogischen Ausrichtung: Der Bereich Schulsport innerhalb der Pädagogischen Abteilung setzt bewusst einen Schwerpunkt auf Inklusion und versteht ihn als gelebte Praxis – nicht als Zusatzangebot, sondern als grundlegendes Prinzip schulischer Bewegungskultur. Veranstaltungen wie das Baskin-Turniere sind Ausdruck dieses Verständnisses. 

Und selbst dort, wo kein Ball im Spiel ist, wird diese Haltung sichtbar: im neuen Schulsport-Logo, das Bewegung, Gemeinschaft und Teilhabe in eine reduzierte Bildsprache bringt – und Inklusion nicht hervorhebt, sondern selbstverständlich mitführt. 

Nächster Halt: Rom 

Für die Schülerinnen und Schüler der Klasse 3B des Sozialwissenschaftlichen Gymnasiums Brixen führt dieser Weg nun weiter nach Rom. Ende Mai wird sie Südtirol bei den „Nuovi Giochi della Gioventù“ vertreten. Was die Schülerinnen und Schüler dorthin mitnehmen, ließ sich in Gardolo bereits beobachten: die Sicherheit, dass ein Team dann am stärksten ist, wenn nicht alle dasselbe können – sondern jede und jeder das Eigene verlässlich einbringt. 

INFO Redaktion

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