Interessen fördern
„Talente Tage“ 2025: Lernen ohne Druck – mit Wirkung

39 Jugendliche entwarfen in der Fortbildungsakademie „Schloss Rechtenthal“ Ideen für die Schule von morgen, verhandelten Klimapolitik am Spieltisch und diskutierten Chancen sowie Grenzen von KI. Zwei Tage, die zeigten, wie Lernen außerhalb des Unterrichts wirken kann.
Am Dorfrand von Tramin, zwischen Reben und dem Blick zum Kalterer See, steht die Fortbildungsakademie „Schloss Rechtenthal“: Die pastellgelbe Fassade mit zwei zinnenbewehrten Türmen, dahinter lichtdurchflutete Seminarräume – ein Ort, der Gespräche trägt. Mitte Dezember verwandelten die „Talente Tage“ den Ansitz in einen Lerncampus: 39 Schülerinnen und Schüler aus 14 Südtiroler Oberschulen arbeiteten je nach Interessen an Zukunftsthemen. Zwei Tage, die zeigten, wie motivierend und wirksam Lernen sein kann.
Interessen fördern und Zukunftskompetenzen stärken
Getragen vom Bereich Begabungs- und Begabtenförderung der Pädagogischen Abteilung der Deutschen Bildungsdirektion folgt der Ablauf der „Talente Tage“ einem klaren Rhythmus: Impulse, Arbeitsphasen, Debatten – ein Wechselspiel, das Tempo erzeugt, Perspektiven öffnet und Zukunftskompetenzen stärkt.
Begleitet werden die Schülerinnen und Schüler der 3., 4. und 5. Klasse zwei Tage lang von erfahrenen Workshopleitenden. Einer von ihnen ist der Oberschullehrer Alessandro Montoro. Er betont: „Die „Talente Tage“ sind jedes Jahr eine wunderbare Gelegenheit, Jugendlichen auf Augenhöhe zu begegnen und ausführlich über Themen jenseits des Unterrichts zu sprechen.“ Auch Hanno Barth, ebenfalls Oberschullehrer, unterstreicht: „Die „Talente Tage“ bieten Raum für intensive Diskussionen mit interessierten Schülerinnen und Schülern über grundlegende und existenzielle Fragen, die im Unterricht oft zu kurz kommen.“
Genau das zeigte sich dieses Jahr in den Workshops zur Zukunft: Die eine Schülergruppe verhandelte globale Klimastrategien, die andere dachte Schule, Wirtschaft und den Umgang mit Künstlicher Intelligenz (KI) neu. Zwei Perspektiven, die unterschiedlicher kaum sein könnten und doch denselben Anspruch teilen: Zukunft nicht nur denken, sondern gestalten. Hier das Weltklimaspiel (Teaser-Version) mit globalen Stellschrauben, dort ein Ideenlabor für Schule und den reflektierten Umgang mit KI.
Weltklimaspiel: Strategien und Lösungen entwickeln
Wer den großen Seminarsaal im zweiten Stock der Fortbildungsakademie „Schloss Rechtenthal“ betrat, erlebte ein diplomatisches Parkett im Miniaturformat: Jugendliche, die in Rollen schlüpften, Budgets verhandelten, Allianzen schmiedeten. Das Weltklimaspiel inszenierte die Dramatik globaler Klimapolitik verdichtet auf einen Raum – app-gestützt und mit Blick auf Kipppunkte, Extremwetter und soziale Krisen. Wer zusah, erlebte Bewegung im Raum, strategische Gespräche und Vereinbarungen. Ziel war es: Wechselwirkungen zu begreifen und Handlungskompetenzen zu stärken. Begleitet wurden die Jugendlichen beim Brett- und Planspiel von Unternehmerin Doris Pusch (Weitblick GmbH) und Franziska Blaas, Koordinatorin von Bildungsangeboten bei der Organisation für Eine solidarische Welt (OEW).

Während hier globale Stellschrauben verhandelt wurden, stand ein Stockwerk tiefer der Schulalltag der Jugendlichen im Fokus.
Gestalten, was kommt: Schule neu denken
Wie muss Schule sich verändern, damit sie Zukunft trägt? Von dieser Frage aus arbeiteten sich die Schülerinnen und Schüler in diesem Workshop zu machbaren Schritten vor: KI als Werkzeug verstehen und reflektieren, Gesellschaftliche Bildung stärken, mehr Freiräume für Projekte schaffen; Schulpartnerschaften ausbauen und eine kluge Mischung aus Pflicht- und Wahlfächern etablieren, um Schulprofile zu schärfen und Interessen zu fördern. Und schließlich: Lebenskompetenzen wie Kommunikation und Teamarbeit systematisch vermitteln.
„Beim Schwerpunkt Zukunft und KI ging es uns nicht um technisches Know-how, sondern darum, welche Chancen und Risiken wir zulassen wollen“, präzisiert Montoro. Inspektor Piero Di Benedetto von der Deutschen Bildungsdirektion, der ebenfalls den Workshop begleitete, fasst die Ergebnisse so zusammen: „Keine Utopien wurden formuliert, sondern konkrete Ansätze für Schulentwicklung.“

Am Nachmittag des zweiten Tages kam Klaus Egger, Südtirols Sonderbeauftragter für Nachhaltigkeit, dazu. Im offenen Gespräch mit den Jugendlichen verflochten sich die Themen der Workshops – Schule, Klima, Verantwortung – als zusammenhängende Aufgabe.
Stimmen, die bleiben
Am Ende verdichten sich zwei Tage in Stimmen, die nachhallen: „Schule sollte Zukunft bedeuten und Zukunft sollte von der Jugend mitgestaltet werden – und genau deshalb sind wir hier“, sagt Julia Veronika Tröger, Schülerin der 4. Klasse der Fachoberschule für Tourismus und Biotechnologie mit Landesschwerpunkt Ernährung „Marie Curie“ (FOS-Meran). Lara Ambach, ebenfalls Schülerin der FOS-Meran, fügt hinzu: „Es gibt zwei Möglichkeiten, mit Zukunft umzugehen: sie zu ignorieren oder ihr mit Neugier zu begegnen und dabei Neues zu lernen.“
Und Natalie Halmo, Schülerin der 5. Klasse am Klassischen, Sprachen- und Kunstgymnasium „Walther von der Vogelweide“, fasst zusammen: „Es war spannend, außerhalb der Schule zu lernen – ohne Benotung, ohne Druck.“ Lernen sei „unterhaltsam“ und „fordernd“ zugleich gewesen. Ihre Mitschülerin Natalie Bianchi ergänzt: „Man merkte, dass unser Einsatz und unsere Meinung zählen.“
Was bleibt, ist ein klarer Befund: Zwei Tage, die zeigen, wie inspirierend und spannend Lernen in kreativen Formaten sein kann, wenn Zeit für Vertiefung und Raum für Dialog geschaffen wird – an einem Ort, der Gespräche trägt. Zugleich wird deutlich, dass solche Ansätze nicht als Ausnahme außerhalb des Unterrichts bleiben sollen. Denn ihre größte Wirkung entfalten sie wohl dann, wenn sie vermehrt an den Schulen selbst Fuß fassen – als Angebote für engagierte, begabte und motivierte Schülerinnen und Schüler, die sich fokussiert mit Themen auch außerhalb des Lehrplans auseinandersetzen, um ihre Interessen und Kompetenzen weiterzuentwickeln.




