Stumm? Von wegen! Aufmerksamkeit für nonverbale Kommunikation fördern

Unterstütze Kommunikation bedient sich alternativer Möglichkeiten der Verständigung. Beim ersten Erlebnistag für Unterstütze Kommunikation und einem Krimispiel wurde Inklusion konkret erfahrbar.
Was ist Unterstützte Kommunikation?
Unterstützte Kommunikation (UK) richtet sich an Menschen, die sich nicht oder nicht ausreichend über Lautsprache verständigen können. Sie nutzt Hilfsmittel wie Tablets, Symbolkarten oder Buchstabentafeln ebenso wie Gebärden, Gestik und Mimik. Ziel ist mehr Verständigung, Teilhabe und gelebte Inklusion zwischen Menschen mit und ohne Lautsprache.
Erster Erlebnistag für Unterstütze Kommunikation
Spielen, lachen, verstehen – 30 Kindergartenkinder mit und ohne Lautsprache durften beim ersten Erlebnistag für Unterstützte Kommunikation im März dieses Jahres erfahren, wie vielfältig Kommunikation sein kann. Gearbeitet wurde mit Bildern, Gebärden, einfachen Talkern und viel Fantasie. Organisiert wurde der UK‑Erlebnistag, der im Kulturzentrum Trevi in Bozen stattfand, von einem Team von Pädagoginnen des Amts für Beratung der Pädagogischen Abteilung der Deutschen Bildungsdirektion.
Die Gruppe wurde von pädagogischen Fachkräften, Kindergärtnerinnen und Mitarbeiterinnen für Integration begleitet, die dabei nicht nur die Kinder neu erlebten, sondern auch wertvolle Impulse für die Bildungsarbeit mitnahmen.
„Wow!“ – Sandras spontaner Ausruf brachte es auf den Punkt, was viele Kinder an diesem Vormittag empfanden. Beim UK‑Erlebnistag konnten die Kinder spielerisch entdecken, dass Verständigung weit über gesprochene Worte hinausgeht.
Ein Brettspiel mit Raphael Donati, der über ein Tablet mit Sprach‑App kommuniziert, sorgte für Staunen. (INFO hat darüber berichtet.)
Im selbst gebastelten Tischtheater hingegen ließen die Kinder Schneemann und Känguru miteinander „sprechen“. Im Leseschloss wurde mit lustiger Stimme, begleitet von fröhlichem Lachen, vorgelesen.
Ob Verkleiden, Bauen, Wörter‑Angeln oder Laufmemory: An zahlreichen Stationen probierten die Kinder aus, wie Kommunikation mit Sprechknöpfen, Symbolen und Tafeln gelingen kann. Immer wieder begegneten ihnen dabei sogenannte Kernwörter – jene rund 200 Begriffe, die einen Großteil der Alltagssprache ausmachen. Abgeschlossen wurde der UK-Erlebnistag mit einem gemeinsamen Gebärdenlied.


Ein abenteuerliches Krimispiel zur Unterstützten Kommunikation
Ebenfalls im laufenden Schuljahr 2025/2026 fand das erste UK-Krimispiel an einer Grundschule statt. Zwölf Kinder der 5. Klasse schlüpfen in die Rolle von Detektiven und Detektivinnen. Ziel des Detektivtrainings war es nicht allein, einen fesselnden Fall zu lösen, sondern auch die Beobachtungsfähigkeit sowie die soziale Interaktion, insbesondere im Umgang mit Mitschülerinnen und Mitschülern, die Unterstützte Kommunikation nutzen, zu fördern. Darüber hinaus sollte durch das Verständnis für die verschiedenen Kommunikationsformen auch die Klassengemeinschaft gestärkt werden.
Ein zentrales Element des Spiels war die Förderung der Aufmerksamkeit für nonverbale Kommunikation. Die Kinder wurden ermutigt, die Mimik und Körpersprache ihrer Mitspielerinnen und Mitspieler zu beobachten und zu verstehen, besonders derjenigen, die durch Unterstützte Kommunikation – wie Gebärden, Taster oder Talker – kommunizieren.
Ein Schüler, der ein solches Kommunikationsgerät nutzte, erhielt mehrfach wichtige Aufgaben. Die Aussagen, die er mit seinem Tablet übermittelte, waren entscheidend für das Lösen der Rätsel und führten die Detektive und Detektivinnen zum nächsten Hinweis. Dies sollte dem UK-Nutzer auch als Ansporn dienen, das Kommunikationsgerät aktiver in die Gemeinschaft einzubringen und spontan damit zu kommunizieren.

Dem Amt für Beratung der Pädagogischen Abteilung der Deutschen Bildungsdirektion ist es ein Anliegen, die Unterstützte Kommunikation als alternative Form der Verständigung im Bildungsbereich bekannt zu machen. Alternative Möglichkeiten, sich zu verständigen sind für nicht oder kaum sprechende Menschen unverzichtbar, um nicht in völlige Abhängigkeit zu geraten und fördern die Teilhabe der Betroffenen am gesellschaftlichen Leben. Zu erleben, was es bedeutet, nicht sprechen zu können und das Kennenlernen von Kommunikationshilfen war für alle ein Schritt hin zu mehr Gemeinschaft.
Anmeldung für das Schuljahr 2026/2027
Ab September 2026 ist die Anmeldung zum UK-Erlebnistag und weiteren Projekten wieder möglich. Die Angebote werden auf der Webseite https://deutsche-bildung.provinz.bz.it/de/didaktik-beratung/inklusion-barrierefrei-lernen und im Teamskanal #inklusion veröffentlicht.






