Frühkindliche Bildung | Mobilität

Früh übt sich im Straßenverkehr

Freitag, 29.5.2026

Wie ein Mobilitätskoffer im Kindergartensprengel Schlanders Kinder dabei unterstützt, ihre Wege selbständig und sicher zu bewältigen sowie Gefahren im Straßenverkehr früh zu erkennen – ein Ansatz, der über den Kindergarten hinauswirkt.

Ein Koffer, darin Bücher, Spielfiguren und didaktisches Material – und ein konkretes Ziel: Kinder sollen lernen, sicher in den Kindergarten und später zur Schule zu kommen. Im Kindergartensprengel Schlanders, der 32 Kindergärten in 13 Gemeinden umfasst, darunter auch Mals sowie Taufers im Münstertal, wird genau daran gearbeitet. Kinder lernen, ihre täglichen Wege auf Gefahrenstellen zu prüfen, sichere Straßenübergänge zu erkennen und sich möglichst eigenständig im Straßenverkehr zu bewegen.

Mobilitätskoffer: Verkehrswege im Blick

Seit drei Jahren ist der sogenannte Mobilitätskoffer in allen deutsch-, italienisch- und ladinischsprachigen Kindergartensprengeln Südtirols im Einsatz. Er richtet sich an Kinder zwischen zweieinhalb und sechs Jahren und vermittelt spielerisch, worauf es im Straßenverkehr ankommt: Wo lauern Gefahren für Fußgänger und Radfahrer? Wie überquere ich sicher die Straße? Wo ist es übersichtlich?

Seine Wirkung entfaltet der Mobilitätskoffer vor allem dort, wo Pädagogische Fachkräfte ihn als Ausgangspunkt für Projekte nutzen. Wie konkret das wird, zeigt der Kindergarten Taufers im Münstertal. Dort arbeiteten Kinder im Herbst 2023 mit dem Koffer. Ausgerüstet mit Fotoapparat und Notizblock wurden sie zu „Detektiven“ ihrer eigenen Wege. Sie dokumentierten gefährliche Straßenabschnitte, fotografierten unübersichtliche Kreuzungen und beobachteten, wo Autos zu schnell fahren. Es erklärten sich auch einige Eltern bereit, ihrerseits Gefahrenstellen zu dokumentieren.

„Die Kinder erkennen sehr genau, wo es schwierig wird – etwa an engen Straßen oder wenn ihnen Autos die Sicht nehmen“, berichtet Silvia Ratschiller Pädagogische Fachkraft im Kindergarten Taufers im Münstertal. „Wie unterschiedlich beispielsweise die Wahrnehmung von Kindern und Erwachsenen ist, zeigte sich deutlich, als wir uns auf Kinderhöhe begaben und die Gefahrenstelle aus der Perspektive der Kinder begutachteten“ erklärt Ratschiller.

Aus diesen Beobachtungen entstand ein umfassendes Mobilitätsprojekt: mit konkreten Vorschlägen für sicherere Wege, einer Sensibilisierungskampagne und einer Schulwegplanung – entwickelt gemeinsam mit Schule, Gemeinde, Ortspolizei und der Südtiroler Transportstrukturen AG (STA).

Material aus dem Mobilitätskoffer

Sicherheit durch Übung

Wie sich diese Erfahrungen in konkretes Handeln übersetzen lassen, zeigt der Kindergarten Mals. Angeregt von den Gesprächen mit den Partnern des Mobilitätsprojektes in Taufers entwickelte Silvia Ratschiller gemeinsam mit den Kindern ein Lauf- und Fahrradtraining. Dabei geht es nicht darum das Fahrradfahren zu erlernen, sondern den sicheren Umgang damit. Seit zwei Jahren üben Kinder Anfahren, Bremsen und Ausweichen – und lernen, sich im Straßenverkehr vorausschauend zu verhalten.

„Einige Kinder sind anfangs unsicher, aber nach kurzer Zeit fahren sie kontrollierter und achten bewusst auf ihre Umgebung“, erklärt Anna Brenner, Pädagogische Fachkraft im Kindergarten Mals. „Wir sind erstaunt, wie ausdauernd die Kinder üben und wie geschickt sie im Umgang mit ihrem Lauf- bzw. Fahrrad werden.“ Das freiwillige Angebot stoße auf großen Zuspruch – auch bei den Eltern, die die Fortschritte ihrer Kinder aufmerksam verfolgen.

An einem Vormittag im Juni kommt die Ortspolizei in den Kindergarten von Mals und wird mit den Kindern einen Teil ihres Schulweges begehen. Dabei werden konkrete Verkehrs- und Gefahrensituationen besprochen und richtiges Verhalten eingeübt.

Im Bildungsjahr 2025/2026 wurde die Grundidee des Mobilitätskoffers auf Gemeindeebene ausgeweitet: In Schlanders arbeiteten Kindergarten- und Schulkinder gemeinsam daran, ihre Wege sicherer zu machen. Eine Erhebung unter den Kindern und ihren Familien zeigte ein bekanntes Problem deutlich: die sogenannten „Elterntaxis“. Wenn Kinder bis direkt vor die Einrichtung gebracht werden, entstehen häufig unübersichtliche und gefährliche Situationen.

Für das kommende Bildungsjahr ist daher eine verstärkte Eltern- und Sensibilisierungsarbeit geplant, um Alternativen aufzuzeigen und das Bewusstsein für sichere Wege zu schärfen.

Fahrradtraining im Kindergarten Mals

Unterstützung durch Experten

Ab Herbst 2026 wird der Mobilitätskoffer im Kindergartensprengel Schlanders durch eine kontinuierliche Zusammenarbeit mit der Ortspolizei ergänzt. Kindergärten erhalten dann die Möglichkeit, die Ortspolizei sowie Verkehrsexpertinnen und -experten zu treffen, um konkrete Verkehrssituationen zu besprechen und richtiges Verhalten einzuüben. Die Verkehrserziehung erhält damit eine zusätzliche, praxisnahe Dimension.

Der Mobilitätskoffer wird so zu einem Instrument, das Kinder früh darauf vorbereitet, ihren Alltag im Straßenverkehr sicher zu bewältigen – und Schritt für Schritt mehr Eigenständigkeit auf ihrem Weg in den Kindergarten und in die Schule zu gewinnen. Zugleich zeigt sich: Nachhaltige Mobilität beginnt dort, wo Kinder lernen, ihre Wege bewusst wahrzunehmen und sicher zu gehen.

Kindergartensprengel Schlanders

Lernwelten

  • Früh übt sich im Straßenverkehr
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