Bildung und Gesundheit
Ausgezeichnet: Glurns wird „Gemeinsam stark“-Schule

Die Grundschule Glurns ist zertifiziert: Mit einem Fest feiert die Schulgemeinschaft den Abschluss eines Jahres im Zeichen sozialer Kompetenzen.
Es ist ein Ritual, das mehr ist als ein Programmpunkt: Als die Kinder gemeinsam mit ihren Eltern eine Übung Achtsamkeitsübung durchführen, wird sichtbar, worum es der Grundschule Glurns in den vergangenen Monaten ging. Um Aufmerksamkeit, Vertrauen und darum, wie Lernen gelingen kann, wenn Kinder sich gesehen fühlen. Am 11. Juni wurde die Schule dafür zertifiziert: als „Gemeinsam stark werden“-Schule.
Mit der Auszeichnung gehört die kleine Schule in der mittelalterlichen Stadt zu jenen Bildungseinrichtungen, die das Lebenskompetenz-Programm systematisch im Unterricht verankern. Nach dem Schulsprengel Nonsberg ist Glurns die zweite Schule in Südtirol, die diesen Status erreicht.
Lernen fürs Leben
„Gemeinsam stark werden“ setzt dort an, wo Bildung über Wissensvermittlung hinausgeht: beim sozialen und emotionalen Lernen. Ziel ist es, Kinder darin zu stärken, mit Herausforderungen umzugehen, Beziehungen zu gestalten sowie ihre eigenen Gefühle wahrzunehmen und zu benennen.

Das Programm ist ein Angebot der Pädagogischen Abteilung der Deutschen Bildungsdirektion und wird in Kooperation mit der Weitblick GmbH Österreich umgesetzt. Seit 2018 wird es auch an Südtiroler Schulen umgesetzt – mit wachsender Resonanz: Rund 750 Lehrpersonen haben bereits entsprechende Fortbildungen besucht.
Zentraler Pluspunkt des Programms ist eine praxisnahe Herangehensweise: Lehrpersonen absolvieren eine 21-stündige Weiterbildung, erproben Methoden selbst und setzen sie anschließend im Unterricht um. Über 200 Übungen und ergänzenden Materialien – inzwischen erweitert durch digitale Zugänge – unterstützen die Arbeit im Schulalltag. Neu hinzugekommen ist das Thema der Medienkompetenz.
Eine Schule zieht mit
Dass Glurns nun zertifiziert wurde, ist kein Zufall, sondern Ergebnis einer gemeinsam getroffenen Entscheidung. Voraussetzung ist, dass mindestens 70 Prozent des Lehrkörpers das Programm von „Gemeinsam stark werden“ nicht nur kennen, sondern aktiv im Unterricht anwenden. An der Grundschule Glurns mit ihren elf Lehrpersonen und 58 Kindern wurde dieses Ziel erreicht und im Schulalltag umgesetzt.
Das gesamte Schuljahr stand im Zeichen des Programms, fünf Projekttage vertieften die Inhalte. Dabei ging es nicht nur um einzelne Übungen, sondern um eine Haltung: etwa im Umgang mit Konflikten, bei der Gestaltung des Klassenklimas oder in der Art, wie Lernen organisiert wird.
Ein Fest als Abschluss
Der Zertifizierungstag selbst, kurz vor Schulende, wurde bewusst als gemeinschaftliches Ereignis gestaltet. Bereits am Vormittag bereiteten die Kinder in Gruppen das Fest vor, samt kleinen Gaumenfreuden und passender Dekoration. Gegen Mittag kamen die Eltern hinzu, wurden Teil des Geschehens.

Es wurde gesungen und getanzt, die Kinder führten durch einzelne Elemente des Programms. Nach den Grußworten von Direktorin Karin Schönthaler und den Vertreterinnen der Pädagogischen Abteilung, Dorothea Staffler und Gudrun Schmid, traten die Lehrpersonen nacheinander nach vorne. Mit der Übergabe des Zertifikats fand der Festakt seinen Abschluss und machte zugleich sichtbar, was in den vergangenen Monaten gewachsen ist.
Was in der Grundschule in Glurns gewachsen ist
Denn an der Grundschule Glurns ist ein Ansatz im Schulalltag angekommen, der das Lernen erweitert, indem soziale und emotionale Kompetenzen systematisch mitgedacht werden. Übungen zur Wahrnehmung, Gespräche über Gefühle, gemeinsame Reflexion – all das ist nicht Ergänzung, sondern Teil des Lernens geworden.
Damit greift das Programm „Gemeinsam stark werden“ Entwicklungen auf, die den schulischen Alltag zunehmend prägen: emotionale Belastungen, soziale Dynamiken, der Einfluss digitaler Lebenswelten. Dass diese Themen inzwischen fester Bestandteil der Arbeit sind, zeigt sich auch in der Weiterentwicklung der Materialien, etwa durch die Einbindung medienpädagogischer Inhalte.
In Glurns zeigt sich, was möglich ist, wenn ein Kollegium geschlossen handelt. Die Zertifizierung ist nicht nur Auszeichnung, sondern auch Verpflichtung, die begonnenen Prozesse weiterzuführen – im Alltag, in den Klassen, in den Beziehungen.
An diesem Festtag zwischen Liedern und Gesprächen wurde für alle spürbar: Schule ist ein Ort, an dem Kinder wachsen. Nicht nur kognitiv, sondern als Menschen.




