Vize-Europameister im Forst: Fürstenburger Team holt Silber in Kärnten

Montag, 29.6.2026

Großer Erfolg für die Fachschule für Land- und Forstwirtschaft Fürstenburg: Bei der „European Students Championship in Forestry Skills 2026“ in Kärnten erreichten die vier Südtiroler Teilnehmer den zweiten Gesamtrang unter 24 Teams aus 18 europäischen Ländern. Besonders stark präsentierte sich das Team im Forstparcours, in dem es den zweiten Platz belegte.

Vom 19. bis 22. Mai fand am Bildungszentrum Litzlhof in Lendorf (Kärnten) die „European Student Championship in Forestry Skills 2026“ (ESCFS) statt. Die Europameisterschaft der Forstschülerinnen und Forstschüler wurde zum 22. Mal ausgetragen und war bereits zum fünften Mal in Österreich zu Gast. Unter dem Motto „Olympia meets Europe“ wurden gleichzeitig auch die Bewerbe der Alpen-Adria-Waldolympiade ausgetragen. Junge Talente aus ganz Europa nutzten die Gelegenheit, ihr Können zu zeigen, sich zu messen und internationale Kontakte zu knüpfen.

An der Europameisterschaft traten junge Forstschülerinnen und Forstschüler aus 18 Nationen an: Österreich, Belgien, Estland, Frankreich, Italien, Luxemburg, den Niederlanden, Norwegen, Polen, Rumänien, Serbien, Slowenien, Spanien, Ungarn, Deutschland, Schweden, Lettland und Litauen. Insgesamt nahmen 24 Teams teil, darunter 18 Jungen- und 6 Mädchenteams.

Für Italien trat die Fachschule für Land- und Forstwirtschaft Fürstenburg an. Die vier Schüler Benjamin Höchenberger, Hannes Hofer, Michael Rainer und Andreas Zerz wurden von den Lehrpersonen Simone Götsch, Klaus Niederholzer und Othmar Telfser trainiert und begleitet.

Für die Schüler war die Vorbereitung sehr anspruchsvoll, zugleich aber auch eine hervorragende Gelegenheit, ins Ausland zu reisen und neue Erfahrungen zu sammeln.

Für die Schüler war die Vorbereitung sehr anspruchsvoll, zugleich aber auch eine hervorragende Gelegenheit, ins Ausland zu reisen und neue Erfahrungen zu sammeln. Für sie war es der erste Wettkampf in dieser Dimension. Die normalerweise im März stattfindende Alpen-Adria Olympiade entfiel aufgrund der  Zusammenlegung der beiden Veranstaltungen.

Der Wettbewerb begann mit einer feierlichen Eröffnungszeremonie und einem Fahnenumzug aller Teilnehmenden beider Events. Am nächsten Tag fand der forstliche Wettbewerb, der Forstparcours, in einem Wald oberhalb des Ossiacher Sees statt. Organisiert und aufgebaut wurde diese Disziplin von der nahegelegenen forstlichen Ausbildungsstätte „FAST Ossiach“.

Der Wettbewerb wurde in Form eines etwa drei Kilometer langen Orientierungslaufs durchgeführt. Die Schüler mussten Aufgaben im Team und ohne weitere Hilfsmittel lösen. Entlang der Strecke befanden sich 16 Kontrollpunkte, an denen unterschiedliche forstliche Parameter bestimmt werden mussten: Alter und Höhe eines Baumes, Stammzahl pro Hektar, Grundfläche pro Hektar, Hangneigung, mittlerer Durchmesser, Flächengröße, Volumen eines stehenden Baumes, Volumen eines Sägerundholzes, Vorratsberechnung, Baumartenbestimmung, Erkennen von Holzarten mit Rinde, Tierarten, Krankheiten und Schädlingen, Erste Hilfe sowie ein Geschicklichkeitsspiel (Fischen kleiner Teile aus einem Gefäß).

In dieser hart umkämpften Disziplin belegte das Südtiroler Team den zweiten Platz hinter dem Team aus Deutschland und vor dem Team aus Serbien. Damit stand die Fachschule Fürstenburg bereits zum vierten Mal in Folge im Forstparcours auf dem Podium. In den drei vorangegangenen Jahren hatte das Team sogar jeweils den Sieg errungen.

Am Abend wurde ein internationaler Abend veranstaltet, bei dem alle Teams regionale Speisen und Getränke sowie traditionelle Kleidung, Tänze und Lieder präsentierten. Das Südtiroler Team brachte Südtiroler Speck, Schüttelbrot sowie italienische Süßigkeiten wie Cantuccini und Amaretti mit. Die Schüler trugen dabei die traditionelle blaue Südtiroler Schürze.  Der Abend förderte den Austausch zwischen den Teams und bot zahlreiche Gelegenheiten, neue Kontakte zu knüpfen.

An den nächsten beiden Tagen fanden die technischen Wettbewerbe am Schulgelände statt. Dort mussten die Teilnehmer ihr Können in fünf technischen Disziplinen unter Beweis stellen:

1. Kettenwechsel

Ziel war es, die Kette auszutauschen und die Führungsschiene möglichst schnell zu wenden, sodass die Motorsäge wieder einsatzbereit war, ohne sich dabei an den Händen zu verletzen. In den folgenden Disziplinen musste dieselbe Motorsäge ohne weitere Änderungen verwendet werden.

2. Kombinierter Trennschnitt

Aus zwei unterschiedlich gelagerten Stämmen mussten Holzscheiben herausgeschnitten werden. Die Schnitte erfolgten jeweils zuerst von oben bis zur Hälfte und anschließend von unten bis zur Hälfte. Die Scheiben mussten zwischen drei und acht Zentimetern dick sein, und die Schnittflächen sollten möglichst genau einen Winkel von 90 Grad aufweisen. Bewertet wurden die Zeit, die Genauigkeit der Winkel und die Übereinstimmung der Schnitte.

3. Präzisionsschnitt

Auch hier mussten zwei Scheiben aus zwei Stämmen geschnitten werden. Die Stämme lagen jedoch auf einer Unterlage, die beim Sägen nicht beschädigt werden durfte. Die Bewertung erfolgte anhand der verbleibenden Millimeter bis zur Unterlage, der Schnittwinkel und der benötigten Zeit.

4. Fällschnitt

Die Paradedisziplin Fällschnitt simuliert das Fällen eines Baumes. Die Teilnehmenden mussten die Fällrichtung zentimetergenau treffen, sowie die Genauigkeit des Fallkerbs und der restlichen Schnitte einhalten.

5. Entasten

Die letzte Disziplin bestand im Entasten eines Stammes. Um für alle Teilnehmenden gleiche Bedingungen zu schaffen, wurde ein vorbereiteter Stamm mit 30 Ästen in einem festgelegten Muster verwendet. Die ESCFS orientiert sich dabei am internationalen IALC-Standard.

Am Ende der Wettkämpfe fand die sogenannte Länderstafette statt, ein Teambewerb außerhalb der Wertung, bei dem die vier Teilnehmer hintereinander einen Parcours absolvieren und verschiedene Schnitte mit der Motorsäge durchführen mussten. Trotz der kurzen Vorbereitungszeit erreichte das Team in der Länderstafette den guten zehnten Platz.

Die Überraschung bei der Siegerehrung war groß: Trotz einiger Fehler in den technischen Disziplinen belegte die Fachschule Fürstenburg den zweiten Gesamtrang hinter den Teams aus Deutschland und Slowenien. Die Schüler verbrachten eine großartige Zeit in Kärnten. Sie fanden neue Freunde, lernten junge Menschen aus ganz Europa kennen und erhielten spannende Einblicke in andere Kulturen. Alle waren sich einig: Es war eine einzigartige Erfahrung!

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