Zwischen Freiheit und Verbindlichkeit: Südtirol, Tirol und Bayern im Schulentwicklungsdialog

Mit der Teilnahme von rund 30 Lehr- und Führungskräften bekannte sich die Deutsche Bildungsdirektion klar zur Bedeutung der Innsbrucker Gespräche. Im Zentrum der Tagung stand die Balance zwischen Freiraum und Verbindlichkeit sowohl auf Schulebene als auch im Bildungssystem.
Wie viel Freiheit braucht Schule – und wo beginnt notwendige Verbindlichkeit? Mit dieser Leitfrage befassten sich am 23. und 24. April 2026 an der Pädagogischen Hochschule Tirol Führungskräfte von Kindergärten und Schulen, pädagogische Fachkräfte in Direktionsteams und Lehrpersonen der erweiterten Schulleitung aus drei Ländern bei den 5. Innsbrucker Gesprächen zur Schulentwicklung.
Die Wichtigkeit von Schulentwicklung und des spezifischen Tagungsthemas für die autonomen Schulen und die Bildungsdirektion in Südtirol zeigte sich durch das große Interesse an der Teilnahme. Angeführt vom Direktor der Pädagogischen Abteilung Martin Holzner nahmen weitere Führungskräfte, Pädagoginnen und Pädagogen teil: Anna Pfitscher, Direktorin des Amtes für Didaktik, Hansjörg Unterfrauner, Direktor des Amtes für Beratung, Landesschuldirektorin Sigrun Falkensteiner, Schulinspektor Piero Di Benedetto, der Leiter der Landesevaluationsstelle Klaus Niederstätter, Schulführungskraft David Augscheller und alle anderen Lehrkräfte, pädagogischen Fachkräfte und Führungskräfte brachten ihre Perspektiven in den länderübergreifenden Diskurs ein.
Schulentwicklung braucht Vertrauen – aber auch klare, nachvollziehbare Leitplanken.
„Schulentwicklung braucht Vertrauen – aber auch klare, nachvollziehbare Leitplanken“, sagte Landesschuldirektorin Sigrun Falkensteiner. Verbindlichkeit sei kein Gegenpol zur pädagogischen Freiheit, sondern deren Voraussetzung: „Pädagogische Verantwortung sichert Qualität im Unterricht.“
Zwischen Gestaltungsspielraum und klaren Vereinbarungen
Die Innsbrucker Gespräche haben sich gemeinsam mit den Rechtenthaler Gesprächen und den Münchner Gesprächen als Dialogformat zwischen Wissenschaft, Bildungspolitik und Schulpraxis etabliert. Veranstaltet werden sie von der Pädagogischen Hochschule Tirol, der Pädagogischen Abteilung der Deutschen Bildungsdirektion Südtirol und dem Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung München.
In den Keynotes spannten die Bildungsforscherin Bettina Hannover und die zweifache Schulpreisträgerin Nicola Küppers den Bogen von gesellschaftlichen Rahmenbedingungen bis zu konkreten Modellen gelingender Schulentwicklung. Diskutiert wurde, wie Schulen Verbindlichkeit stärken können, ohne Innovation zu bremsen – und welche Rolle Vertrauen, Verantwortung und Transparenz dabei spielen.
Der Blick über die eigenen Systemgrenzen schärft das professionelle Urteilsvermögen.
„Der Blick über die eigenen Systemgrenzen schärft das professionelle Urteilsvermögen“, betonte der Direktor der Pädagogischen Abteilung Martin Holzner. „Gerade im Spannungsfeld zwischen Autonomie und gemeinsamer und verbindlicher Arbeit an gemeinsamen Zielen zeigt sich, wie wichtig eine gemeinsame Sprache, Klarheit und kontinuierliche Reflexion sind.“
Das Programm setzte bewusst auf Austausch: Kurzimpulse, strukturierte Gespräche und Denkräume in Ländergruppen ergänzten die Plenarvorträge und ermöglichten den Transfer zwischen Theorie und schulischer Praxis.

Eine Kooperation mit Südtiroler Ursprung
Die Innsbrucker Gespräche sind Teil einer seit 2019 bestehenden trilateralen Kooperation zwischen Institutionen aus Südtirol, Tirol und Bayern. Ihren Ursprung hat die Reihe in Südtirol: Die erste Tagung fand 2001 in der Fortbildungsakademie Schloss Rechtenthal in Tramin statt. Seither dient das Format als Plattform für einen Schulentwicklungsdiskurs über Ländergrenzen hinweg.
Die starke Präsenz Südtirols im Jahr 2026 unterstreicht diesen Anspruch – und markiert Schulentwicklung als gemeinschaftliche Aufgabe, die vom Dialog über Systemgrenzen lebt.




