Sigrun Falkensteiner über Benotungssystem

Neue Regeln für die Grundschul-Bewertung

Montag, 24.3.2025

Die beschreibende Bewertung an Grundschulen wird auf Staatsebene überarbeitet. Südtirol reagiert – aber erst ab dem Schuljahr 2025/26. Was das für Lehrkräfte sowie Schülerinnen und Schüler bedeutet, erklärt Landesschuldirektorin Sigrun Falkensteiner.

Schon Albert Einstein hat gesagt: „Zwei Dinge sind zu unserer Arbeit nötig: Unermüdliche Ausdauer und die Bereitschaft, etwas, in das man viel Zeit und Arbeit gesteckt hat, wieder wegzuwerfen.“

Es scheint fast, als habe Einstein bereits vorausgeahnt, welche Entwicklungen auf gesamtstaatlicher Ebene im Bereich Bildung sich anbahnen und somit zwingend auch Eingang in das Regelwerk der Schule in Südtirol finden. Konkret geht es diesmal (zum wiederholten Male) um eine Änderung im Bereich der Bewertung.

Zur Erinnerung: Im April 2020 wurde auf Staatsebene beschlossen, dass die Bewertung ab dem Schuljahr 2020/21 in der Grundschule in beschreibender Form erfolgen solle. Auf Grund der sekundären Zuständigkeit in dieser Materie hat dann die Autonome Provinz Bozen im August 2020 mit einem Beschluss der Landesregierung ebenfalls diesen Grundsatz in ihrem Bewertungsbeschluss verankert. Um dem pädagogisch wertvollen und gut gemeinten Ansinnen des Bildungsministeriums nachzukommen, zugleich aber auch Spielräume für die Schulen zu eröffnen, wurde es den Schulen im deutschen Bereich freigestellt, die beschreibende Bewertung in allen Fächern einzeln zum Ausdruck zu bringen oder die Rückmeldung im Bewertungsbogen in Form eines Lernberichts/-briefs zu gestalten.

Alle haben sich auf den Weg gemacht und sich bemüht, Bewertung nicht als eine summative „Abrechnung“ zu verstehen, sondern als eine Rückmeldung an den Lernenden/die Lernende.

Flankierend zu dieser Anpassung wurden Musterexemplare für die Ausrichtung des Bewertungsbogens bereitgestellt und die Lehrpersonen in der Pädagogischen Abteilung haben verschiedene Formulierungshilfen ausgearbeitet, auch für das digitale Register, das in vielen Schulen zeitgleich Einzug gehalten hat.

Kurzum: Alle haben sich auf den Weg gemacht und sich bemüht, Bewertung nicht als eine summative „Abrechnung“ zu verstehen, sondern als eine Rückmeldung an den Lernenden/die Lernende. Mit mehr oder weniger Begeisterung, mit mehr oder wenig Verständnis für diese Form der Bewertung und Rückmeldung.

Was Minister Valditara letztlich dazu veranlasst hat, diesen eingeschlagenen Weg zu stoppen und in die Gegenrichtung zu marschieren- darüber Vermutungen anzustellen, wäre spekulativ. Fakt ist, dass mit einem Staatsgesetz im Oktober 2024 und einer nachfolgenden Ministerialordnung vom Jänner 2025 zwar nicht die Rückkehr zu Ziffernnoten beschlossen wurde, aber doch die Kehrtwende hin zu „giudizi sintetici correlati alla descrizione dei livelli di apprendimento“ vollzogen wird. Einstufungen von ausgezeichnet bis nicht ausreichend finden somit wieder Einzug in die Bewertungsbögen, gekoppelt mit Beschreibungen darüber, was die einzelnen „Niveaustufen“ bedeuten und worauf sie sich beziehen. Auf Staatsebene bereits im zweiten Halbjahr des laufenden Schuljahres.

Daher wird Südtirol mit seiner notwendigen Gesetzesinitiative im Frühjahr 2025 reagieren und die Neuerungen im Bereich der Bewertung mit dem Schuljahr 2025/26 aktivieren.

Was erwartet nun die Südtiroler Grundschulen?

Ein Versprechen der letzten Jahre, das immer wieder von allen Seiten (Bildungsbehörde wie Lehrpersonen) bekräftigt und eingefordert wurde: keine massive gesetzliche Änderung bei laufendem Betrieb. Daher wird Südtirol mit einer notwendigen Gesetzesinitiative im Frühjahr 2025 reagieren und die Neuerungen im Bereich der Bewertung mit dem Schuljahr 2025/26 aktivieren. Aktuell laufen die Vorbereitungs- und Abstimmungsarbeiten dazu auf Ebene der drei Bildungsdirektionen, in der Folge werden die genauen Umsetzungsschritte und -möglichkeiten mit Rundschreiben kommuniziert. So haben die Lehrerkollegien Zeit, mit Blick auf das kommende Schuljahr entsprechende Vorkehrungen und Absprachen zu treffen.

Wichtig bleibt aber nach wie vor, im Abgleich zwischen Lehrpersonen und Schülerinnen und Schülern,  ergänzend zur Standortbestimmung die nächsten Schritte im Lernen zu identifizieren, im Sinne von Feedback und Feedforward.

Sigrun Falkensteiner

Sigrun Falkensteiner über Benotungssystem

„Schule darf und soll Fehler machen“

Donnerstag, 15.1.2026

Fünf Schulen, unterschiedliche Voraussetzungen – und ein gemeinsames Ziel: Unterricht so weiterzuentwickeln, dass er der Vielfalt der Schülerinnen und Schüler gerecht wird. Als Pilotschule im Projekt „Wege in die Bildung 2030 – Guter Unterricht in der inklusiven Schule“ stellt sich der Schulsprengel Meran/Untermais grundlegende Fragen: Was brauchen Schülerinnen und Schüler wirklich? Welche Rolle haben Lehrpersonen? Wie gelingt es, dass Kinder Lernen wieder mit Freude verbinden? Ein Gespräch mit Direktorin Michaela Dorfmann.

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