Inklusive Schule: Wie guter Unterricht landesweit gelingt

Montag, 13.4.2026

Die Pilotphase zur Unterrichtsentwicklung in den deutschen Schulen ist nun abgeschlossen – 45 Schuldirektionen aller Schulstufen beteiligen sich an den Schulentwicklungsprozessen.

Wie gelingt Unterricht, der der wachsenden Vielfalt in den Klassen gerecht wird – ohne zu überfordern, zu unterfordern oder auszugrenzen? Diese Frage stand im Zentrum eines dreijährigen Vorhabens, das Schulen verschiedener Stufen gemeinsam mit der Pädagogischen Abteilung der Deutschen Bildungsdirektion erprobt haben. Die zentrale Erkenntnis, die am 13. April vorgestellt wurde: Inklusion entscheidet sich nicht an Nebenschauplätzen, sondern im Kern des Unterrichts.

Inklusion beginnt im Unterricht – nicht im Zusatzangebot

Sechs Pilotschulen haben in den vergangenen drei Jahren ihre Unterrichtspraxis überprüft (Neuer Bildungsschwerpunkt: Guter Unterricht in inklusiver Schule) und teilweise neu ausgerichtet. Im Fokus stand dabei weniger ein abgeänderter Stundenplan, sondern ein anderer Blick: auf Lernwege, auf Förderung im Klassenverband und auf die Rolle, die Lehrpersonen dabei einnehmen.

„Die Schule ist das erste gesellschaftliche Spiegelbild einer Entwicklung. Wir wollen Lehrpersonen in ihrer Arbeit begleiten und ihnen Instrumente in die Hand geben, um auf die gestiegene Komplexität in den Klassenzimmern reagieren zu können“, hob Landesrat Philipp Achammer hervor. Ein guter inklusiver Unterricht müsse Halt geben und stärken, Orientierung schaffen, Vertrauen aufbauen und ermöglichen, dass Schülerinnen und Schüler ihre Fähigkeiten entfalten können. „Lehrerinnen und Lehrer sind heute schon verstärkt als Lernbegleiterinnen und Lernbegleiter aktiv, geben klare Strukturen vor und geben transparent und gezielt ein für das Lernen förderliches Feedback“, unterstrich Achammer.

Die Schule sei das erste gesellschaftliche Spiegelbild einer Entwicklung, hielt Landesrat Philipp Achammer bei der Vorstellung am 13. April fest.

Vom Pilotversuch zur breiten Schulentwicklung

Die Erfahrungen aus der dreijährigen Pilotphase „Wege in die Bildung 2030“ blieben kein Inselprojekt. Inzwischen arbeiten 45 der 93 Schuldirektionen aller Schulstufen in begleiteten Schulentwicklungsprozessen an ihrer Unterrichtsqualität. Der Arbeitsansatz zielt auf nachhaltige Veränderung statt auf punktuelle Anpassungen ab. „Unterricht verändert sich nicht durch einzelne Maßnahmen, sondern durch gemeinsame Arbeit an der Praxis“, betonte Martin Holzner, Direktor der Pädagogischen Abteilung. Grundlage seien wissenschaftliche Erkenntnisse und Ergebnisse von Evaluationen.

Martin Holzner, Direktor der Pädagogischen Abteilung, unterstrich, dass Schul- und Unterrichtsentwicklung auf wissenschaftlichen Erkenntnissen und auf Evaluationen basiere. 

Die von den Schulen gesetzten Schwerpunkte reichen von selbstorganisiertem Lernen über Begabungsförderung bis hin zu verbindlichen Konzepten zur Schulsozialpädagogik oder im Kinder- und Jugendschutz. „Der Bedarf an professioneller Begleitung im individuellen Entwicklungsprozess der Schulen ist deutlich gestiegen“, sagte Hansjörg Unterfrauner, Direktor des Amtes für Beratung. Schulen suchten vor allem Orientierung bei konkreten Fragen ihres Alltags.

Hansjörg Unterfrauner, Direktor des Amtes für Beratung in der Pädagogischen Abteilung, wies darauf hin, dass der Bedarf an professioneller Begleitung gestiegen sei.

Didaktik entscheidet über Wirkung

Der Schlüssel für den guten Unterricht liegt in der Unterrichtsentwicklung selbst. Das Amt für Didaktik unterstützt Schulen dabei, Aufträge und Aufgaben so zu gestalten, dass unterschiedliche Lernniveaus berücksichtigt sowie Eigenverantwortung und Problemlösekompetenz gefördert werden, Sprache im Sach- und Fachunterricht bewusst mitgedacht wird und digitale Werkzeuge sinnvoll zum Einsatz kommen. „Wenn Lehrpersonen im Team lernwirksame Aufgaben entwickeln und an gezielten Rückmeldungen arbeiten, entsteht Expertise vor Ort, die zu nachhaltigem Lernen führt“, erklärte Amtsdirektorin Anna Pfitscher. Damit dies gelingt, passt die Pädagogische Abteilung das Fortbildungsangebot für Schulführungskräfte und Lehrpersonen entsprechend an und erweitert es. Ziel sei ein zeitgemäßer Unterricht, der trägt – fachlich, pädagogisch und menschlich. Inklusion sei dann nicht ein abstrakter Anspruch, sondern gelebte Praxis.

Die Direktorin des Amtes für Didaktik in der Pädagogischen Abteilung, Anna Pfitscher, zeigte auf, wie Unterrichtsentwicklung unterstützt werden kann.

45 von 93 Schuldirektionen aller Schulstufen arbeiten in begleiteten Schulentwicklungsprozessen an ihrer Unterrichtsqualität. Dabei setzen die Schulen selbstständig ihre Schwerpunkte, die vom selbstorganisierten Lernen über die Begabungsförderung hin zu Kinder- und Jugendschutzkonzepten reichen.

LPA/ck/INFO Redaktion

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