EduSpace Lernwerkstatt am Campus Brixen
Brücken zwischen Wissenschaft und Praxis stärken

Wie lassen sich theoretische Konzepte aus dem Studium mit dem pädagogischen Alltag verbinden? In der EduSpace Lernwerkstatt am Campus Brixen der Freien Universität Bozen zeigten Praxisbegegnungen mit einer erfahrenen Kindergartenpädagogin, wie Professionalisierung im Zusammenspiel von Wissenschaft, Reflexion und konkretem Handeln gelingt.
Wie entwickelt sich die professionelle Haltung einer pädagogischen Fachkraft? Wie lässt sich veranschaulichen, was Studierende in ihren Vorlesungen als Arbeit mit ungewissen Momenten im Kindergarten gelernt und reflektiert haben? Antworten auf diese Fragen bot diesmal eine Person aus der Praxis, Jutta Kröss, pädagogische Fachkraft im Kindergarten Rentsch. Sie gestaltete einen Workshop in der EduSpace Lernwerkstatt am Campus Brixen der Freien Universität Bozen. (https://www.unibz.it/de/faculties/education/eduspace-lernwerkstatt/).
Als erfahrene Praktikerin, die ihren Berufsalltag auf Grundlage ihres Studiums der Bildungswissenschaften (BIWI) reflektiert und sich kontinuierlich weiterbildet, machte sie den Studierenden aus der Perspektive der Praxis sichtbar, wie konkretes pädagogisches Handeln stets theoretisch und empirisch fundiert ist.
Einblick in ein komplexes Arbeitsfeld
Im Workshop wurde den Studierenden außerdem deutlich, was sie schon zu Beginn ihres Studiums kennenlernen: dass frühpädagogisches Handeln weit über die Gestaltung von Spiel- und Lernangeboten hinausgeht. Jutta Kröss verdeutlichte die Vielfalt ihres Aufgabenspektrums: die Kommunikation mit Eltern, Absprachen im Team, die Begleitung von Bildungsprozessen, die Dokumentation von Beobachtungen sowie das Eingehen auf individuelle Bedürfnisse der Kinder. Dazu gehört auch, Kinder herauszufordern, Neues zu wagen, ohne dabei die Gruppe aus dem Blick zu verlieren. Für die Studierenden wurde so spürbar, was ihnen ihre Professionstheorie vermittelt: Frühpädagogik ist ein anspruchsvolles Handlungsfeld, das sowohl wissenschaftlich fundiertes Fachwissen als auch situative Sensibilität und Reflexionsfähigkeit benötigt.
Theorie und Praxis Hand in Hand
Die Studierenden erhielten die Gelegenheit zu beobachten, wie Wissen und Erkenntnisse aus den Lehrveranstaltungen im pädagogischen Alltag Gestalt annehmen. Sichtbar wurde damit, was die erziehungswissenschaftliche Professionsforschung betont: Professionelle Kompetenz entsteht erst im Zusammenspiel von theoretischem Wissen, fallbezogenem Verstehen und performativer Handlungskompetenz. Pädagogische Praxis muss dabei stets fachlich begründet sein.

Lernen am eigenen Leib: Reflexion im Tun anregen
Großen Anklang fanden auch jene Sequenzen, in denen die Studierenden selbst kleine Bildungsangebote erprobten. Sie setzten sich mit unterschiedlichen Materialien auseinander, während Jutta Kröss die Aktivitäten beobachtete, begleitete und mit konkreten Beispielen aus dem Kindergarten in Bezug auf das jeweilige Material anreicherte. Auf diese Weise erlebten die Studierenden in Ansätzen, was professionstheoretisch als forschende und selbstreflexive Haltung bezeichnet wird: ein „nachdenkendes und nachdenkliches Zwiegespräch“ (Nentwig-Gesemann et al., 2011, S. 11) mit der Situation, das über rein intuitives pädagogisches Handeln hinausgeht. In diesem Zusammenhang betonte Jutta Kröss die Chance von Fortbildungen, die es ermöglichen, fachlich-inhaltliche Impulse und die Analyse von Praxiserfahrungen in Verbindung zu bringen.
Professionalisierung als gemeinsame Aufgabe
Der Workshop verdeutlichte schließlich, wie sich Hochschule und Praxis gegenseitig bereichern können: Die Studierenden gewannen weitere Einblicke aus dem lokalen Umfeld in eines ihrer künftigen Arbeitsfelder und konnten erfahren, wie sie sich mit den im Studium erworbenen Kenntnissen für die Aufgaben und Herausforderungen vorbereiten. Neben Lehrangeboten und Praktika sind es Formate wie dieser Workshop, die erfahrbar machen, dass Professionalisierung ein Bildungsprozess ist, der von gemeinsamen Lernräumen profitiert: Räume, in denen theoretisch begründetes Wissen und praktisches Erfahrungswissen einander durchdringen, in denen Unsicherheiten ebenso wie vermeintliche Sicherheiten ansprechbar werden und in denen berufliche Identität wächst. Die Begegnung mit Jutta Kröss hat einen solchen Raum eröffnet – und damit anschaulich gezeigt, wie Theorie und Praxis ineinandergreifen.
Ausblick
Formate wie dieser Workshop in der EduSpace Lernwerkstatt knüpfen an eine wachsende Zahl von Initiativen an, die gezielt den Dialog zwischen Wissenschaft und Praxis fördern. Auch der Studientag InSightOut am 13.03.2026, in dem die EduSpace Lernwerkstatt eingebunden ist, will die reflexive Auseinandersetzung über, mit und für die pädagogische Praxis ermöglichen. Gemeinsam blicken wir auf aktuelle Herausforderungen im Zusammenhang mit dem Wohlbefinden von Kindern in den Bildungseinrichtungen sowie auf Chancen und Hürden für die Potenzialentwicklung und sprechen darüber, wie wir praktisch damit umgehen können (https://www.unibz.it/de/events/in-in-education-insightout).

Quelle: Nentwig-Gesemann, I., Fröhlich-Gildhoff, H. H., Harms, H., & Richter, S. (2011). Professionelle Haltung – Identität der Fachkraft für die Arbeit mit Kindern in den ersten drei Lebensjahren. Eine Expertise der Weiterbildungsinitiative Frühpädagogische Fachkräfte (WiFF). Deutsches Jugendinstitut e. V.




