„Unterstützte Kommunikation“ – Reden ohne Wörter!

Donnerstag, 10.7.2025

„Unterstützte Kommunikation“: alternative Möglichkeit für Menschen mit Kommunikationsbeeinträchtigungen sich zu verständigen.

Menschen, die aufgrund ihrer Behinderung ihre Stimme nicht benutzen können, verwenden stattdessen Gebärden, Bildkarten oder auch PCs mit Sprachausgabe. Damit können sie ihre Gedanken mitteilen, von sich erzählen, Witze machen, schimpfen, ihr Wissen weitergeben, Träume formulieren und ihre Meinung sagen – kurz gesagt: überall gleichberechtigt mitmachen und als vollwertige Mitglieder der Gesellschaft wahrgenommen werden. Diese andere Art des Informationsaustausches wird als „Unterstützte Kommunikation“, abgekürzt „UK“ bezeichnet. „UK“ steht für alle alternativen Möglichkeiten, sich zu verständigen. Auch einige Kinder und Jugendliche in unseren Kindergärten und Schulen sind auf diese Art der Unterstützung angewiesen. Aus diesem Grund bietet die Pädagogische Abteilung der Deutschen Bildungsdirektion in diesem Bereich Weiterbildungen für pädagogisches Personal des Kindergartens, für Lehrpersonal und für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für Integration an.

Angebote der Pädagogischen Abteilung zur „Unterstützten Kommunikation“

Die aktuellen Weiterbildungen der Pädagogische Abteilung zum Thema für das kommende Schuljahr finden sich im erst kürzlich veröffentlichten Landesplan für Fortbildungen, welcher auf der Homepage der Deutschen Bildungsdirektion einsichtig ist.

An der Freien Universität Bozen werden jährlich einige Studienplätze für Gebärdensprache für interessiertes Schul- und Kindergartenpersonal reserviert, die von der Deutschen Bildungsdirektion finanziert werden. Hier kann die Österreichische Gebärdensprache erlernt werden. Die Ausschreibung erfolgt jedes Schuljahr im September.

Als Unterstützungsangebot vonseiten des Amtes für Beratung der Pädagogischen Abteilung wird eine Einführung in die „Unterstützte Kommunikation“ für Kinder und Jugendliche angeboten: Im Rahmen eines Workshops gibt Raphael Donati, Experte in eigener Sache, in altersgerechter Weise Einblick in verschiedene Kommunikationsformen und lässt die Zuhörerinnen und Zuhörer erfahren, wie Verständigung auch auf andere Weise gelingen kann. Auch Lehrpersonen und Mitarbeiter für Integration können eine solche Einführung in Anspruch nehmen.

Raphael Donati mit Marina Kuppelwieser.

Raphael Donati, ein junger Mann ohne Lautsprache, der viel zu sagen hat

Raphael Donati hat in diesem Schuljahr an zehn Schulen der verschiedenen Schulstufen im ganzen Land Workshops abgehalten. Unterstützt wurde er dabei von Marina Kuppelwieser, Mitarbeiterin der Pädagogischen Abteilung. Auch eine Weiterbildung für Lehrpersonen und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für Integration wurde organisiert.

Die Zusammenarbeit mit Raphael Donati ist für die Pädagogische Abteilung sehr wertvoll, denn er kann als Direktbetroffener Aufklärungsarbeit leisten und mit seiner charismatischen Art den Menschen authentisch näherbringen, was es bedeutet, nicht sprechen zu können und welchen Vorurteilen man dabei begegnet.

Raphael Donati ist ein junger Mann ohne Lautsprache, der sich mittels seines Kommunikationsgeräts (einem Tablet mit Computerstimme) verständigt. Er kann auch gut über Mimik, Gestik, einer Buchstabentabelle und seine körpereigenen Gebärden kommunizieren.

Raphael, Jahrgang 1996, hat im Juli 2016 die Oberschule WFO Franz Kafka in Meran abgeschlossen. Im August 2016 hat er begonnen, beim Jugenddienst Meran zu arbeiten. Seine Aufgabenbereiche sind im Medienbereich. Er bearbeitet unter anderem für INFOSQUARE, einem Infokanal des Jugenddienstes Meran, jugendrelevante Themen und postet diese dann auf Facebook und Instagram.

Die Rückmeldungen der beteiligten Schulen zu den Workshops mit Raphael Donati waren sehr positiv. In einer Umfrage gaben die Lehrpersonen und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für Integration an, dass sie diesen Workshop weiterempfehlen und sind der Ansicht, dass die Schülerinnen und Schüler sich gut beim Workshop einbringen konnten.

Die Rückmeldungen der Schülerinnen und Schüler über den Workshop mit Raphael Donati sind sehr positiv.

Hier einige Auszüge der Rückmeldungen: ”Der Workshop war abwechslungsreich und sehr ansprechend gestaltet. Wir konnten die alltäglichen Herausforderungen von Raphael sehr gut wahrnehmen und Frau Kuppelwieser hat gut moderiert und ergänzt”; “Ich fand den Workshop sehr interessant. Die Einblicke, die uns gewährt wurden, sind für uns alle eine Bereicherung”; “Der Workshop war eine Bereicherung für die gesamte Schulgemeinschaft.” Als besonders gut gelungen empfand die Schulgemeinschaft: “Das Kennenlernen einer neuen Art der Kommunikation”; “Der Workshop hat einen klaren und abwechslungsreichen Ablauf, Herr Donati ist auf die Gruppe eingegangen”; “Der aktive Austausch zwischen den Referenten und den Teilnehmenden. Wir haben interessante Infos über verschiedene Formen der Kommunikation erhalten.”; “Eine gute Mischung aus Einblicken in das Leben von Herrn Donati und der Interaktion mit den Kindern”.

INFO digital hat mit Raphael Donati über seine Workshops und Erfahrungen mit „Unterstützer Kommunikation“ ein ausführliches Interview geführt (Es kann jedem Menschen passieren, dass er nicht (mehr) sprechen kann. – Info digital).

Die Pädagogische Abteilung bietet außerdem Online-Beratungen für Interessierte an.

Zusätzlich und als Unterstützung für die Bildungsarbeit baut das Amt für Beratung als Teil der Pädagogischen Abteilung eine Material- und Linksammlung zum Thema UK auf. Die Sammlung steht allen interessierten Lehrpersonen, Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für Integration und dem pädagogischen Personal des Kindergartens zur Verfügung. Die Angebote zu „Unterstützter Kommunikation“ werden durch einen Teams-Kanal ergänzt. Weitere Informationen finden sich auf der Homepage der Pädagogischen Abteilung – Amt für Beratung (Barrierefrei lernen | Didaktik und Beratung).

Raphael erzählt über sich.
Pädagogische Abteilung/Amt für Beratun/Inklusion

im Fokus

  • „Wie bei den Olympischen Spielen“
    15 junge Fachkräfte aus Südtirol traten bei den WorldSkills in Shanghai in 13 Berufen an – und kehrten mit Gold, Bronze und acht Medallions for Excellence zurück. Cäcilia Baumgartner, Direktorin des Amtes für Lehrlings- und Meisterausbildung, war vor Ort. Im INFO-Interview erzählt sie von ihren Eindrücken.
  • „Jeder hat Gold in sich“
    Was kann Schule vom Fußball lernen? Coach und DFB-Spezialtrainer Kelechi Onyele spricht im INFO-Interview über Lehrerinnen und Lehrer als Lebensbegleiter, Leistungsdruck und die Aufgabe von Schule, junge Menschen nicht nur zu unterrichten, sondern sie zu befähigen.
  • „Wir müssen Schulen wirklich transformieren“
    Anne Sliwka kennt Schulsysteme von Kanada bis Neuseeland. Die Bildungswissenschaftlerin erklärt im INFO-Interview, warum gute Schulen keine Einzelkämpferinnen und Einzelkämpfer brauchen, weshalb Kinder erst ein solides Wissensfundament benötigen und wie Künstliche Intelligenz das Lernen verändert. Vor allem aber fordert sie: Schule darf nicht stehen bleiben.
  • Bildungsdialog: Bildung zukunftsorientiert weiterentwickeln
    Der Impulsplan gibt die Richtung vor, um Rahmenbedingungen im Bildungsbereich zu verbessern. Über 700 Teilnehmende waren bei der Veranstaltung in der Messe Bozen dabei.
  • „Wir sind auf dem Weg“ 
    Südtirols Schulen starten in ein neues Schuljahr – mit alten Herausforderungen und neuen Ansätzen. Landesschuldirektorin Sigrun Falkensteiner erklärt im INFO-Interview, warum klassische Unterrichtsformen zunehmend an ihre Grenzen stoßen, Hausaufgaben nicht immer sinnvoll sind und Schulen beim Lernen neue Wege gehen müssen. 
Mehr…