Kooperation in der Bildungsberatung
Autismus-Spektrum im Fokus: Vorarlberg und Südtirol vertiefen Austausch

Der Umgang mit dem Autismus-Spektrum stellt Schulen und Beratungsdienste vor ähnliche Herausforderungen. Bei einem Fachtreffen in Bozen vereinbarten Expertinnen und Experten aus Vorarlberg und Südtirol nun weitere Schritte für die Schulpraxis.
Wie lässt sich der Schulalltag für Kinder und Jugendliche im Autismus-Spektrum so gestalten, dass Verstehen, Akzeptanz und gezielte Förderung im Unterricht gelingen? Genau an dieser Schnittstelle setzte der Fach-Austausch an, zu dem Amtsdirektor Hansjörg Unterfrauner die Gäste aus der Bildungsdirektion in Vorarlberg Ende September an das Amt für Beratung nach Bozen geholt hatte.
Verstehen, unterstützen, wertschätzen: Die Praxis im Mittelpunkt
Dass der Handlungsbedarf beim Thema Autismus-Spektrum akut ist, belegte Verena Egger vom Amt für Menschen mit Behinderungen mit aktuellen Zahlen aus den Sozialdiensten. Binnen zwei Jahren hat sich die Zahl der betreuten Familien beinah verfünffacht: Stiegen die Fallzahlen bei den Fachteams der Sozialdienste im Jahr 2023 noch auf 135, wurden im Jahr 2025 bereits 631 Familien begleitet. Parallel dazu vervielfachte sich die Nutzung spezifischer Betreuungsprojekte von 22 auf 90 Teilnehmende.

Ihr Vortrag machte deutlich: Die Herausforderungen in den Sozial- und Bildungsdiensten unterscheiden sich in Südtirol und Vorarlberg kaum. Ob Kindergarten, Grund-, Mittel- oder Oberschule, im Zentrum steht die Aufgabe, autistische Kinder und Jugendliche wirksam zu begleiten und Wertschätzung im Klassenzimmer zu verankern, ohne dass Lehrpersonen und pädagogisches Fachpersonal an ihre Belastungsgrenze geraten.
Inklusion & Diversität: Zusammenarbeit zwischen Südtirol und Vorarlberg
Neben der Praxis kam auch die rechtliche und politische Dimension zur Sprache. Brigitte Hofer, Südtirols Gleichstellungsrätin und Vorsitzende des Südtiroler Monitoringausschusses für die Rechte von Menschen mit Behinderungen, steckte die Voraussetzungen für gelebte Chancengleichheit und den systematischen Umgang mit Diversität ab.
Doch die Runde beließ es nicht bei Grundsatzfragen. Aus dem Treffen werden nun konkrete Taten: Die Südtiroler und Vorarlberger Bildungsdirektion verabredeten eine engere Vernetzung der Beratungssysteme und bereiten gemeinsame Fortbildungsangebote zum professionellen Umgang mit dem Autismus-Spektrum vor. Die Vertiefung des Austausches zwischen Südtirol und Vorarlberg soll künftig Fachpersonal, Menschen im Autismus-Spektrum sowie deren Angehörigen in Südtirol und in Vorarlberg direkt zugutekommen. Denn: „Gute Inklusion endet nicht an Landesgrenzen. Sie lebt davon, dass erprobtes Wissen geteilt wird“, sagt Unterfrauner, Direktor des Amtes für Beratung.




