Ein lebendiges Miteinander von Anfang an – Der Übergang vom Kindergarten in die Grundschule

Wenn Schülerinnen und Schüler der Grundschule mit Bilderbüchern, Theaterstücken oder kreativen Ideen in den Kindergarten kommen, entstehen wertvolle Begegnungen zwischen den Kindern. In St. Peter/Ahrntal wird diese Zusammenarbeit seit Jahren bewusst gepflegt – mit gemeinsamen Projekten, regelmäßigen Treffen und viel gegenseitigem Vertrauen. Damit soll der Übergang vom Kindergarten in die Grundschule für die Kinder möglichst positiv und kontinuierlich gestaltet werden.
Es ist Dienstagmorgen. An der Tür des Kindergartens St. Peter/Ahrntal klingeln zwei Schüler aus der vierten Klasse der Grundschule. Mit sichtbarer Vorfreude und einem klaren Plan im Gepäck treten sie ein: „Wir haben ein Bilderbuch für die Kindergartenkinder vorbereitet. Wann könnten wir zum Vorlesen kommen?“ Schnell wird gemeinsam ein Termin gefunden – schon am nächsten Morgen soll es so weit sein. Die beiden Schüler haben sich nicht nur Gedanken über die Geschichte gemacht, sondern auch über deren Umsetzung: Zwei Gruppen, zwei Vorleseorte, vorbereitete Sitzkreise und selbst gestaltetes Material sollen das Erzählen lebendig werden lassen.

Am nächsten Tag ist die Aufregung auf beiden Seiten groß. Die Kindergartenkinder warten gespannt, hören aufmerksam zu, lachen, stellen Fragen und werden aktiv in das Geschehen einbezogen. Die beiden Schüler gestalten die Vorlesesituation mit viel Einfühlungsvermögen, Geduld und Verantwortungsbewusstsein.
Über das ganze Jahr verteilt besuchen immer wieder Schülerinnen und Schüler den Kindergarten. Sie bringen unterschiedliche Bilderbücher und Geschichten mit, führen kleine Theaterstücke auf, entwickeln kreative Bastelideen oder gestalten Arbeitshefte mit passenden Aufgaben – stets gut vorbereitet und durchdacht. In der Schule erhalten sie Zeit und Raum, um ihre Ideen zu entwickeln, und ihre Lehrpersonen trauen ihnen diese verantwortungsvolle Aufgabe zu. Über die Jahre hinweg sind diese Initiativen gewachsen und haben sich zunehmend zu selbst organisierten Lerngelegenheiten entwickelt.

Solche Begegnungen zeigen eindrucksvoll, wie wertvoll und bereichernd die Zusammenarbeit zwischen Kindergarten und Grundschule ist: Sie stärkt das Selbstvertrauen der Schulkinder, eröffnet den Jüngeren neue Lern- und Erfahrungsmöglichkeiten und schafft ein Gefühl von Gemeinschaft über Altersgrenzen hinweg. Weitere Beispiele für gelingende Kooperation sind kleinere, spontane Aktionen – etwa das gemeinsame Pflanzen von Sonnenblumen im Garten oder gegenseitige Besuche, wenn etwas Besonderes gebaut oder gestaltet wird. Dabei kann die Initiative sowohl von der Grundschule als auch vom Kindergarten ausgehen. Auch die gemeinsame Nutzung des Schul- und Spielplatzes ermöglicht immer wieder neue Begegnungen. Voraussetzung dafür sind Offenheit und Flexibilität der Erwachsenen auf beiden Seiten. Es braucht Zeit, Vertrauen und Freiräume, um Zusammenarbeit lebendig werden zu lassen.

Neben vielen kleinen, spontanen Begegnungen werden zu Beginn des Kindergartenjahres auch größere Vorhaben in einem Kooperationskalender festgehalten. Dazu zählen beispielsweise das gemeinsame Vorbereiten und Feiern von Festen wie „Kischta“, das Laternenfest oder Fasching.
Ein zentrales Element ist zudem die wöchentliche Kindergarten-Schul-Stunde: Jeden Mittwoch treffen sich die angehenden Schulkinder aus dem Kindergarten mit den Erstklässlerinnen und Erstklässlern. Im Wechsel wird gemeinsam geturnt – einmal in der Schule, einmal im Kindergarten – oder es finden gemeinsame Spielangebote statt. Auch gemeinsame Tage in der Draußenschule sind ein fixer Bestandteil des Kalenders (Infos zur Draußenschule unter https://www.ssp-ahrntal.it/lernorte/draussenschule/ ). Ein weiterer Höhepunkt ist das „Außnwerfafeschtl“, bei dem die Einschulenden vom Kindergarten verabschiedet werden.
Diese regelmäßigen Begegnungen eröffnen allen Fachkräften wertvolle Einblicke: Die Lehrperson lernt die Schulkinder in einem anderen Kontext kennen, während die pädagogische Fachkraft neue Seiten der Kindergartenkinder im Kontakt mit den Schulkindern wahrnimmt. So entsteht ein kontinuierlicher Austausch, der den Übergang vom Kindergarten in die Schule nicht nur erleichtert, sondern als gemeinsamen Entwicklungsprozess gestaltet. Kindergarten und Schule sind gemeinsam auf dem Weg – jede und jeder begleitet die Kinder ein Stück ihres Lebensweges. Zudem werden die Familien im Rahmen von Informationsveranstaltungen über die Gestaltung des Übergangs vom Kindergarten in die Grundschule informiert, um sie aktiv in den bevorstehenden Übergangsprozess einzubeziehen.
Unterstützt wird die Zusammenarbeit von Kindergarten und Schule auch durch den Schulverbund Pustertal. Als Netzwerk von Kindergärten und Schulen verfolgt er das Ziel, Kräfte zu bündeln und die Bildungsarbeit gemeinsam weiterzuentwickeln. Besonders im Blick steht dabei die Gestaltung eines gelingenden Übergangs vom Kindergarten in die Grundschule.
Durch regelmäßigen Austausch, gemeinsame Projekte und abgestimmte pädagogische Ansätze wird eine kontinuierliche Bildungsbiografie der Kinder unterstützt. Erfahrungen, Materialien und Kompetenzen werden gezielt geteilt, um Synergien zu nutzen und die Qualität weiter zu verbessern. Ziel ist es, jedes Kind in seiner Entwicklung bestmöglich zu begleiten, Brüche beim Schuleintritt zu vermeiden und Bildung als gemeinsamen Auftrag aller Beteiligten zu verstehen. Ein aktueller Schwerpunkt liegt dabei im sozialen Lernen: Gemeinsam vereinbarte Regeln und abgestimmte Strategien zur Konfliktlösung erleichtern das Zusammenleben und geben den Kindern Sicherheit und Orientierung auf ihrem Bildungsweg – und das von Anfang an.




