Integration als gelebter Alltag
„School Together“: Jugendliche mit Migrationsgeschichte individuell begleiten

Das Projekt „School Together“ begleitet 13- bis 20-Jährige in Bruneck und Umgebung durch den Alltag – mit schulischemCoaching, Kultur und Sport. Ziel ist es, die Jugendlichen in der Schule gezielt zu unterstützen und ihnen eine Teilhabe zu ermöglichen, die langfristig trägt.
Mittwoch, 16 Uhr: Auf dem Tisch liegt ein Aufgabenblatt. Ein 15-Jähriger sitzt seinem Coach gegenüber, sortiert Lernziele, erledigt Hausaufgaben, plant die Woche – eine Routine, die Orientierung gibt. Mit seinem Coach kann er all das besprechen, was schulisch gerade ansteht, sich Ratschläge holen und bei Bedarf sogar fachliche Hilfe erhalten. Danach geht es gemeinsam zum ersten Probetraining im Sportverein. Der Coach stellt ihn vor, erklärt Abläufe, fängt Unsicherheiten auf. Für den 15-Jährigen mit Migrationsgeschichte ist es ein Nachmittag, der Anschluss erleichtert.
Teilhabe beginnt im gelebten Alltag – dort, wo Beziehungen entstehen.
Diese Szene steht für „School Together“ – ein Projekt, das vom 1. August 2026 bis zum 31. August 2027 Jugendliche mit Migrationsgeschichte im Alter von 13 bis 20 Jahren im Pustertal, insbesondere in Bruneck, begleitet. „Genau darin liegt der Kern von „School Together“, sagt Dieter Burger, pädagogischer Koordinator der EOS Sozialgenossenschaft. Er betont: „Teilhabe beginnt nicht im Klassenzimmer, sondern im gelebten Alltag – dort, wo Beziehungen entstehen und junge Menschen sich ausprobieren und Selbstvertrauen entwickeln können.“
Neben der EOS Sozialgenossenschaft steht auch die Pädagogische Abteilung der Deutschen Bildungsdirektion hinter „School Together“, als Partnerin, die das Projekt fachlich und strukturell mitträgt.
Coaches, die Türen öffnen
16 freiwillige Coaches begleiten die Jugendlichen im Schulalltag, ermöglichen den Zugang zu Sport-, Kultur- und Freizeitangeboten, helfen beim Kontakteknüpfen. Lehrpersonen berichten, sie seien „froh, durch die Coaches endlich eine Ansprechperson“ für Anliegen der Schülerinnen und Schüler mit Migrationsgeschichte zu haben. Auch den Besuch von Elternsprechtagen und persönlichen Sprechstunden übernehmen die Coaches, oft in Begleitung der Jugendlichen oder der Erziehungsverantwortlichen. Die Eltern, die das hiesige Schulsystem noch nicht gut kennen, sind dankbar für die Unterstützung, und manche Jugendliche erzählen, sie hätten das vergangene Schuljahr ohne ihren Coach nicht geschafft.
„Obwohl viele Jugendlichen gute Voraussetzungen mitbringen, um eine Oberschule erfolgreich abzuschließen, stehen sie bei schulischen Herausforderungen meist alleine da“, sagt Sabine Kurz vom Sprachenzentrum am Pädagogischen Beratungszentrum Bruneck (PBZ). Sie erklärt: „Genau hier setzt die Arbeit der Coaches an: Sie tauschen sich mit den Jugendlichen aus, motivieren, loben und sprechen bei Bedarf auch ein Machtwort, damit ein Vorankommen in der Schule gelingt.“

Kreativität als gemeinsame Sprache
Mit Workshops zu Fotografie, Schreiben, Musik und Theater, Bibliotheksbesuchen, Festen sowie Outdoor-Erlebnissen schafft „School Together“ Begegnungen über Kulturen hinweg. Dazu kommen Sprachpraxis und Empowerment – besonders dann, wenn es darum geht, Diskriminierungserfahrungen zu verarbeiten.
Damit der Anschluss in Vereinen, Bibliotheken oder Kulturzentren später selbstständig gelingt, arbeitet „School Together“ eng mit lokalen Vereinen, Kulturzentren und Schulen zusammen. Auch die Familien werden über Informationsabende und Gespräche einbezogen.
Wirkung, die über die Projektlaufzeit hinaus trägt
Der Erfolg von „School Together“ gründet auf der Kooperation zweier starker Partner, die ihre unterschiedlichen Expertisen bündeln: Während das Sprachenzentrum am PBZ Bruneck, das Teil der Pädagogischen Abteilung der Deutschen Bildungsdirektion ist, Schul- und Beratungskompetenz sowie den Zugang zu Bildungseinrichtungen einbringt, übernimmt die EOS Sozialgenossenschaft die sozialpädagogische Arbeit im Freizeit- und Vereinsbereich.
Aus dieser Zusammenarbeit wächst ein Netzwerk, das Jugendliche mit Migrationsgeschichte in Strukturen einbindet – und dessen Wirkung über den Sommer 2027 hinaus reichen soll, um diesen jungen Menschen die Sicherheit zu geben, ihren Platz in der Gesellschaft zu finden. Genau das ermöglichen die Coaches bei „School Together“ Tag für Tag.




