Roboter im Kindergarten

Donnerstag, 29.1.2026

Roboter, Coding und KI im Kindergarten: Im Sprengel Mühlbach lernen Kinder spielerisch, wie digitale Technik funktioniert – mit Bee-Bot, Cubetto & Co. Ein Praxisbericht über frühe Medienbildung, kritisches Denken und kreatives Lernen.

Verschiedene Medien, Digitalisierung und künstliche Intelligenz sind gesellschaftlich relevante Themen und prägen somit auch das Leben der Kinder. Im Kindergartensprengel Mühlbach beschäftigt sich der Bildungskreis „Medienbildung im Kindergarten“, bestehend aus einer Gruppe engagierter Pädagogischer Fachkräfte, damit, wie Kinder im Kindergarten in einer von Medien geprägten Welt kompetent begleitet werden können. Ihre Aufgabe ist es, den Mädchen und Jungen dabei zu helfen, Medienerlebnisse zu verarbeiten, kritisch einzuordnen und zu durchschauen. Die Kinder sollen verstehen, dass Medien und KI von Menschen geschaffen wurden. Die Kinder lernen zwischen Fiktion und Wirklichkeit zu unterscheiden.

Jedes Kindergartenjahr widmet sich der Bildungskreis „Medienbildung im Kindergarten“ unterschiedlichen Medienaspekten. Für die Bildungsjahre 2024/2025 und 2025/2026 liegt der Fokus besonders auf Robotern, Coding und Programmieren im Kindergarten. Die Kinder berichten in den verschiedenen Kindergärten nämlich häufig von ihren Mäh-, Saug- und Wisch- sowie Fensterputzrobotern, die in vielen Haushalten präsent sind. Auch Alexa kennen viele Kinder bereits gut. Daraus entstand die Idee, dieses Thema aufzugreifen und die Mädchen und Jungen dafür zu sensibilisieren, dass die Roboter kein eigenständig handelndes Gegenüber sind, sondern von Menschen entwickelt und programmiert werden.

Die pädagogischen Fachkräfte des Bildungskreises integrierten während der Freispielzeit verschiedene kindgerechte Lernroboter (Batterien oder Akkus als Energiequelle) wie Cubetto, Bee-Bot, Blue-Bot und Robotermaus in den Alltag ihres Kindergartens, um Grundkonzepte des Programmierens, des logischen Denkens und der räumlichen Orientierung spielerisch zu vermitteln. Die Lernroboter werden durch das Anordnen von Befehlen gesteuert: Der Cubetto über bunte Blöcke auf einem Programmierbrett, der Bee-Bot und die Robotermaus über Pfeile auf den Geräten selbst, der Blue-Bot manuell über die Pfeile auf dem Gerät oder per App (z. B. auf einem Tablet) bzw. über Blöcke mit dem entsprechenden Gerät, dem Tac-Tile-Reader.

Die Kinder bauten verschiedene Parcours für die Roboter. Im Bild ein Parcour aus der Stoffmatte des Cubettos mit Holzbauklötzen.

Nach dem Kennenlernen und Ausprobieren der Roboter hatten die Kinder Freude am Experimentieren. Sie bauten kreative Parcours aus Holz, Schaumstoff, Papierrollen und Steinen, um die Roboter durch die Strecken zu steuern. Dabei merkten sie, dass die Lernroboter am besten auf glatten Oberflächen wie Laminat oder Holz funktionieren, während sie auf weichen oder unebenen Materialien manchmal hängen bleiben. Diese Beobachtungen halfen ihnen zu verstehen, wie der Untergrund die Steuerung beeinflusst.

Auf Schaumstoff blieben die Roboter häufig hängen.

Auf glatten Oberflächen funktionierten die Roboter einwandfrei. Im Bild  mussten die Roboter durch einen Tunnel aus Schaumstoffplatten fahren.

Anschließend verglichen die Mädchen und Jungen die einzelnen Lernroboter miteinander und organisierten Wettrennen, um den schnellsten Roboter zu ermitteln. Cubetto erwies sich als eher langsam, Robotermaus als deutlich schneller, jedoch nur 10 Zentimeter pro Befehl zurücklegend. Bee Bot und Blue Bot gehörten zu den Schnellsten mit 15 Zentimetern pro Befehl. Danach testeten sie, ob der Blue Bot schneller ist, wenn er manuell oder per Tac Tile-Reader/Tablet gesteuert wird. Das Ergebnis war gemischt: Einige Kinder erreichten beim manuellen Steuern höhere Geschwindigkeiten, andere beim Programmieren mit Tac Tile Reader/Tablet. Das Vergleichen half ihnen, die unterschiedlichen Funktionsweisen der Roboter besser zu verstehen.

Die Kinder verglichen die einzelnen Roboter miteinander. Im Bild fand ein Wettrennen zwischen Bee-Bot, Blue-Bot und Cubetto statt. Wer ist der schnellste Roboter?

Welcher Roboter erreicht wohl schneller den Käse?  

Gemeinsam mit den Kindern gestalteten die Pädagogischen Fachkräfte verschiedene Spielfelder auf Karton oder Backpapier. Zunächst zeichneten sie ein 15 x 15 Zentimeter großes Quadratgitter. Danach konnten die Kinder ihrer Kreativität freien Lauf lassen und das Gitter thematisch gestalten. Sie bemalten und verzierten es mit Farben, Mustern oder kleinen Bildern, um das Spielfeld lebendig zu machen. Zusätzlich hatten die Kinder die Möglichkeit, Hindernisse für den Lernroboter zu entwerfen, die dieser umfahren muss. Nach Fertigstellung der Spielfelder wurden sie für spannende Aufgaben genutzt: Die Kinder bauten Hindernisse wie kleine Tunnels oder Hindernisparcours und lösten dabei Aufgaben wie das Umfahren von Hindernissen, das Folgen vorgegebener Wege oder das Platzieren von Gegenständen an bestimmten Stellen.

Gemeinsam entwickelten sie mit der Pädagogischen Fachkraft auch Geschichten mit Unterstützung der Lernroboter. Zum Beispiel half der Cubetto auf einem Weihnachtsspielfeld dabei, alle Figuren – Engel, Hirten, Schafe, Heilige Drei Könige – zum Stall mit der Krippe zu bringen, indem er sie sicher auf seinem Rücken transportierte. Durch diese Verbindung wird der Roboter zum Erzähler, Bewegungen dienen als Ausdruck, Fantasie entwickelt und entfaltet sich. Solche vielfältigen Erfahrungen unterstützen eine ganzheitliche Bildung: Sprache, Mathematik, Kreativität und emotionale Entwicklung greifen ineinander.

Das Malen mit Blue-Bot- und Bee-Bot-Robotern war bei den Kindern sehr beliebt. Der Stiftehalter für Bee- und Blue-Bot ist ein interessantes Zubehör, das die Lernroboter zu vielseitigen Lernwerkzeugen macht. Anfangs programmierten die Kinder die Roboter frei: Sie fuhren ungeplant über Papier und Boden und bemalten den Boden. Schnell merkten die Mädchen und Jungen, dass sie den Roboter so steuern mussten, dass er stoppt oder bestimmte Bewegungen ausführt. Dadurch lernten sie, die Roboter gezielt für kreative Aufgaben einzusetzen. Später entdeckten sie, dass sie mit dem Blue Bot Buchstaben wie P und B schreiben und Kreise gestalten können. Anfangs erschienen ihnen die Kreise wie Luftballons mit Schnur, was ihre fantasievolle Sichtweise zeigte. Im Verlauf lernten sie, den Blue- oder Bee-Bot zu nutzen, um Kreise präzise auf das Papier zu zeichnen. Dazu programmierten sie den Roboter so, dass die gewünschten Formen entstanden. Danach malten die Kinder die Bilder mit Filzstiften aus, ergänzten sie und erreichten immer komplexere und kreativere Szenen, zum Beispiel Tiere, Menschen oder Fantasiewelten.

Holzboden ist ideal, für die freie Fahrt eines Roboters. Im Bild wird der Blue Bot mit dem Tac-Tile-Reader gesteuert.

Zusammen mit den Pädagogischen Fachkräften gestalteten die Kinder verschiedene Spielfelder mit Hindernissen für die Roboter. 

Die praxisnahe Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Robotertypen – Cubetto, Bee-Bot, Blue-Bot, Robotermaus – zeigt, dass schon kleine, klare Schritte Lernfortschritte bringen und Bildungsprozesse sichtbar machen. Beobachtungen zu Oberfläche, Schnelligkeit und Steuerung helfen Kindern, einfache naturwissenschaftliche und mathematische Zusammenhänge zu verstehen: Welche Materialien beeinflussen das Verhalten, wie funktionieren Befehle, welche Folgen haben Handlungen? Durch gemeinsames Planen und Bauen von Lernfeldern gestalten die Kinder ihre Spiel- und Lernwelt mit, sie testen, passen an, setzen um und verwirklichen ihre Ideen.

Ein Roboter half auf einem Weihnachtsspielfeld dabei, alle Figuren – Engel, Hirten, Schafe, Heilige Drei Könige – zum Stall mit der Krippe zu bringen, indem er sie sicher auf seinem Rücken transportierte

Die Roboter mussten auf ihrem Weg über das Spielfeld verschiedene Aufgaben lösen und Hindernisse überwinden

Die Roboter mussten auf vorgegebenen Wegen fahren. Im Bild besuchte der Roboter die verschiedenen Tiere, um ihnen Futter zu bringen.
Kindergartensprengel Mühlbach

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